Ein Garten in der Normandie

Schon zwei Mal war ich in diesem Garten, einmal im Hochsommer, einmal im Herbst. Und ich werde gerne noch einmal hinfahren – vielleicht im Frühling? Denn der Jardin Botanique de Vauville ist einer meiner Lieblingsgärten. Er liegt an der Westküste der Normandie: Wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt, kann man an manchen Stellen das Meer sehen. Wäre der Garten nicht so angelegt, könnte man das Meer mit Sicherheit von überall her sehen, aber das Gelände ist so geschickt von Hecken, Schilf, Büschen und Bäumen umgeben, dass es ganz geschützt liegt und viele kleine Welten enstehen. Diese Mikroklimata sind natürlich gut für das Wachstum der südlichen Pflanzen – aber auch eine Freude für den Besucher, denn alles ist so geschickt miteinander verwoben, dass man irgendwann ganz vergisst, in nur einem einzigen Garten und nur einem bestimmten Teil der Welt zu sein.

Das private Schloss sieht man nur von außen, aber dafür von den meisten Stellen des Gartens.

Das private Schloss sieht man nur von außen, aber dafür von den meisten Stellen des Gartens.

Ende der 1940er Jahre begann die Familie Pellerin mit der Gestaltung der Landschaft: erste vorsichtige Versuche, südliche, wärmeliebende Pflanzen im rauen Klima der Normandie anzusiedeln. Dank Golfstrom klappte das ganz gut, und mittlerweile hat die Anlage rund 4 Hektar. Kälter als -5°C wird es hier nicht im Winter. Aber das reicht ja schon, um einigen südlichen Pflanzen den Garaus zu machen. Doch in Vauville kriegen sie es hin. Vielleicht bekommt einiges einen Schutz, wenn der Garten von Ende Oktober bis zum April geschlossen hat.

 

Sehr ungewöhnliche Kombi, gibt einen seltsamen Wald: Palmen und Rhododendron.

Sehr ungewöhnliche Kombi, ergibt einen seltsamen Wald: Palmen und Rhododendron.

 

Ja, ein Palmenwald. Ja, hat etwas Absurdes, besonders in der Normandie.

Ja, ein Palmenwald. Ja, hat etwas Absurdes, besonders in der Normandie.

 

Gingko, Mammutbaum, Eukalyptus…

Ich wusste übrigens nicht, dass gefällter Eukalyptus so fröhlich weiterwächst!

Ich wusste nicht, dass gefällter Eukalyptus so fröhlich weiterwächst!

 

Ein einfacher Plan und Holzpfeile leiten Besucher durch den Garten. Manchmal heißt das ein wenig Rätselraten, meist aber bedeutet es: Jeder Besucher entdeckt kleine Oasen. Plötzlich ist man allein, obwohl man gerade noch dachte, viele seien mit einem zusammen gekommen.

Kleine Flüsse führen durch den Jardin.

Kleine Flüsse führen durch den Jardin.

 

Es gibt Wildblumenwiesen…

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…Feuchtbiotope…

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…Teiche und viele Wasserspeier…

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…seltene Blumen…

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…und natürlich Gärtner:

Diese Wiese hier kommt ganz überraschend, nachdem man durch einen Waldabschnitt, einen buddhistischen Teil, eine Ecke voller Taglilien und eine Bachlandschaft gegangen ist. Plötzlich öffnet sich die Landschaft und man spürt die Weite des Himmels.

Diese Wiese hier kommt ganz überraschend, nachdem man durch einen Waldabschnitt, einen buddhistischen Teil, eine Ecke voller Taglilien und eine Bachlandschaft gegangen ist. Plötzlich öffnet sich die Landschaft und man spürt die Weite des Himmels.

 

Von der Wiese aus kann man auch das Meer sehen – hier der Blick im Herbst, allerdings vom Garteneingang:

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Überhaupt hat der Garten im Herbst seinen Reiz, denn nach der großen Blüte kommen jetzt die Früchte, die Samenstände und auch der langsame Zerfall. Ich habe erstmal genossen, denn ich habe mich auf einer Bank mit frischen Feigen vollgestopft. In der Sonne. Es war einen Tag vor Toresschluss, es war kein Mensch außer uns und dem Gärtner mehr da.

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Zeit, genau hinzusehen.

Gräser.

Gräser.

 

Wenn ich mich nicht täsuche, sind das Beeren einer Taglilienart?

Wenn ich mich nicht täusche, sind das Beeren einer Taglilienart?

 

Liebevoll gebaute Bambuszäune, inmitten von Soleirolia. Übrigens ein Brennnesselgewächs, wusste ich vorher auch nicht. Wird bei uns in Blumenläden als Bubiköpfchen verkauft.

Liebevoll gebaute Bambuszäune, inmitten von Soleirolia. Übrigens ein Brennnesselgewächs, wusste ich vorher auch nicht. Wird bei uns in Blumenläden als Bubiköpfchen verkauft.

 

Höchst romantisch: Hortensie an Schloss.

Höchst romantisch: Hortensie an Schloss.

 

Herbstlich charmant und sehr beeindruckend finde ich die welkenden Gunnera manicata (oder auch Mammutblatt), die weiter oben im Bild ganz sommerlich frisch um den Teich stehen.

Herbstlich charmant und sehr beeindruckend finde ich die welkenden Gunnera manicata (oder auch Mammutblatt), die weiter oben im Bild ganz sommerlich frisch um den Teich stehen.

 

Der Herbst schenkt neue Blicke: Weil das Mammutblatt welkt, sieht man aus dem Garten das Teehäuschen, das ich ausdrücklich empfehle! Besonders, wenn draußen der Regen an die Einfachverglasung klatscht, sind Tee, Macarons und Kuchen noch besser!

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Im Sommer kann man auch draußen sitzen. Und nebenan ist ein kleiner Laden mit Schnickschnack für Haus und Garten. Pflanzen kann man übrigens auch kaufen.

Im Sommer kann man auch draußen sitzen. Und nebenan ist ein kleiner Laden mit Schnickschnack für Haus und Garten. Pflanzen kann man übrigens auch kaufen.

25. November 2014 von Britta Freith
Kategorien: Garten, Reisen | Schreibe einen Kommentar

Wie ich zur Burgschnitzerin wurde

Ich habe kein gutes Verhältnis zu Messern. Das hat verschiedene unerfreuliche Gründe. Der verletzendste ist, dass sie gerne in meinen Fingern landen. Zack, ist die Kuppe ab. Je nach Zartheit des Gemüts dürfen sich Leserin und Leser ab hier eine mehr oder minder große Sauerei vorstellen, bis ich mir einhändig zuerst ein Taschentuch und später ein Pflaster um die Wunde gewickelt habe. Meist tatsächlich “um” die Wunde, denn so ein Finger ist ja rund und das Pflaster rutscht ab. Also endet die vielversprechendste Technik des Fingerumwickelns immer in irgendwas mit “rundum”.

(Ergänzend angemerkt war die gemeinste Messerverletzung im Fuß, als mir nämlich das neue, schwere Fleischmesser runterfiel und sich natürlich mit der Spitze in meinen Mittelfuß bohrte, wo es immerhin nicht steckenblieb, sondern abprallte. War trotzdem ziemlich blöd, danke vielmals.)

Ansonsten habe ich als Kind natürlich den Messertrick von Branko aus der roten Zora ausprobiert. Aber ich war nicht so schnell. (Alle über 18 dürfen das jetzt googeln.) Vielleicht kommt es daher, dass die Aussicht auf ein Schnitzmesser mich reizte, und ich meinen Namen in die Ziehung schmiss. Und ich habe eins von zehn Messern gewonnen!

Es ist ein sehr feines Messer mit einem Holzgriff und einer Klappfunktion. Die Klinge bleibt starr, wenn man einen Ring am Schaft dreht. Diese Klinge ist übrigens sehr scharf – so scharf, dass ich sie keinesfalls in meinen Fingern haben will! Ich tippe nämlich gern mit allen zehn. So kam das Messer bei mir an, es hat sich hier noch versteckt:

Messerpäckchen

Meine Aufgabe jetzt: Ich sollte etwas schnitzen, im Wettbewerb mit den anderen. Abgesehen von einem Kürbis hatte ich das noch nie gemacht – nur Augen in Radieschen.Und der Kürbis vor Jahren war auch eher ein grobmotorisches Machwerk. Holz kam mir daher zu schwierig vor. Zum Glück durfte es auch ein anderes Material sein. Passend zu meiner Garten- und Kochleidenschaft wählte ich also eine Steckrübe.

Ich Steckrübe

Sie sollte ein Burg oder ein Schloss werden. Mir war klar: Alles, was später rausragen soll, muss stehenbleiben. Also versuchte ich zu planen – Erker, Türmchen und so.

Steckrübe rohbau

Richtig aufregend wurde es, als ich anfing, erstmals in die Tiefe zu gehen. Eine kleine Mauer sollte stehenbleiben. Ein Stechbeitel wäre wohl besser gewesen, aber das Messer hatte ja auch eine Spitze…

Steckrübe Messer

Diese Spitze hat mich übrigens oft irritiert: Die Klinge meiner kleineren Küchenmesser ist gerade, nur der Rücken ist gebogen. Aber beim Schnitzmesser ist das andersherum. Das ist praktisch zum Arbeiten, aber ungut, wenn man vergisst, welche Seite scharf ist.

Hier sind schon erste Fenster drin: Ich habe mit der Messerspitze kleine Quadrate gestanzt und die Steckrübenwürfel rausgehebelt. Sie fliegen ganz gut übrigens ;)

Steckrübenburg erste Fenster

Die Zinnen waren einfacher, als ich dachte. Ihr seht hier auch Fehlschnitte und den Beginn eines Baums. Beim Stamm hatte ich richtig Schiss, der konnte doch nur abbrechen!
Erst dachte ich, es geht gut, aber auf diesem Bild sieht man: Er ist dann doch abgebrochen. An dieser Stelle viele Grüße an die Zahnstocherindustrie.

Steckrübe Baum fertig

Mit der Zeit wurde die Steckrübe übrigens weicher und wässriger – ohne aber ihre Form zu verlieren. Dennoch musste ich nach vier Stunden zum Ende kommen. Ich habe dann noch ein kleines Schiff geschnitzt und eine feine Fahne und Segel von der Steckrübe gehobelt. Supermesser!

Ganze Ansicht
Hier mal eine Draufsicht. Seht ihr den Brunnen?? Auf den bin ich besonders stolz. Der ist mir nämlich erst hinterher eingefallen. Ich habe das Steckrübenfleisch um ihn herum sorgfältig weggeschnitten.

Aufsicht

Man sieht allerdings, dass die Rübe bei den Fotos einen Tag später schon ganz schön eingetrocknet war.

steckrübe brunnen

Den ganzen Prozess habe ich auf Facebook dokumentiert. Hier sind Video 1, Video 2, Video 3, Video 4. Facebook rechnet die Videos kleiner, aber man erkennt das Prinzip ganz gut.

Oh, ihr könnt jetzt natürlich drüben bei Wohlgeraten für mich abstimmen, wenn ihr findet, dass meine Burg das beste Schnitzwerk ist. Ich persönlich mag übrigens die Gabel sehr gern, und sie ist aus Holz. Dem Schnitzgewinner winken 2 Nächte in einem Holzhotel im Salzburger Land (Hach!) und Abstimmende können ebenfalls an einer Verlosung teilnehmen, müsst ihr mal gucken.

Noch schrumpelt die Burg bei uns in der Küche vor sich hin. Sie stinkt nicht mehr ganz so doll nach Kohl (Steckrübe = Kohlgewächs = eigentümlicher Geruch), aber sie wird nicht ewig halten. Leider, wie die Kinder finden. Und warum ich sowas noch nicht gemacht hätte, als sie klein waren.

Tja…

19. November 2014 von Britta Freith
Kategorien: Entspannen, Gewinnen, Kreativ sein | 2 Kommentare

Oh Terroir! *

Ich bin verreist, ich bin in Frankreich. Das Tolle an Frankreich ist ja, dass man hier so gut essen kann. Nahezu unglaublich gut. Die französische Landküche liebe ich noch mehr als die italienische, weil sie ursprünglicher ist. Eine bodenständige Raffinesse. Zwar esse ich auch sehr gern italienisch, aber im Grunde sind es mir dort immer zu viele Nudeln. Außer, es gibt Risotto, aber dann bin ich zu schnell satt, um viele verschiedene Dinge zu probieren. Das taugt dann auch wieder nichts. Vermutlich kommt mir die Liebe der Franzosen zur Kartoffel auch näher, als die Liebe zu guter Pasta. Pasta hieß in meiner Kindheit zwingend Miracoli, und das Zeug hat ein Trauma ausgelöst, dass sich nur schwer endgültig bearbeiten lässt.

Ich komme vom Thema ab: In Frankreich zu sein bedeutet, günstig, gut und frisch auf Märkten einzukaufen. Ich weiß nicht, was die Leute immer mit angeblich hohen Lebensmittelpreisen in anderen europäischen Ländern haben. Ich bekomme ich Frankreich zwei jeweils handgroße (Finger ausspreizen!) Brote und einen Ziegenfrischkäse mit derselben Grundfläche für insgesamt 8,90 Euro. Sowohl Brot als auch Käse waren direkt vom Erzeuger, der Käse aus Rohmilch, das Brot einerseits mit Kürbisfleisch und Kürbiskernen, andererseits mit gemahlenen Nüssen. Köstlich.

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Wir haben es noch direkt am Fuße des Denkmals von Jeanne d’Arc verspeist – nein, nur fast, denn wir haben nur die Hälfte des Brots und den Käse essen können. Danach waren wir satt. (Und ich bin mit einem großen hungrigen Mann unterwegs.) Nebenbei haben wir das Treiben auf dem Markt bestaunt.

 

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Sehr geduldig stehen die Menschen zwischen 17 und 20 Uhr am Gemüsestand in Orléans an, um – Überraschung! – Salat, Gemüse und damit ihr Abendessen zu kaufen. Danach wird es etwas leerer, denn dann wird ja irgendwann gekocht. Seit einigen Jahren gibt es übrigens eine intensive Bewegegung für lokales und biologisches Essen in Frankreich; es ist eine wahre Freude. In einem Bio- und Fairtrade-Markt erzählte mir eine Mitarbeiterin heute von Biotüten (vergleichbar unseren Biokisten). An diesem Marktstand kann man die Tagestüte des lokalen Erzeugers kaufen. Der Inhalt ist auf dem Schild aufgelistet:

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Ein Stück weiter der Brotstand: Croissants und andere Vienneroiserie (süßes Gebäck), Tomatenbrot, Sauerteigbrot, Früchtebrot, Brioche, Zuckerkuchen, Baguette… auch hier immer mehr Produkte aus Biomehl. Bei diesem Anbieter war die Sorte des Mehls sogar detailliert auf dem Schild ausgewiesen.

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Niemand wird sich wundern, dass wir gegen 18 Uhr nur noch blörps sagen konnten. Gegen 21.30 war der kleine Hunger für eine leichte Abendmahlzeit jedoch wieder da. Es gab also frischen grünen Salat (1 Euro vom Markt), mit gerösteten Walnüssen (Garten) und Feige (Garten), darüber Walnussöl eines lokalen kleinen Herstellers (Flasche 500 ml, 10,80, puh. Bitter, aber sehr walnussig, lohnt sich. Und ist ein schönes Souvenir.). Vom Quittenbaum im Garten war eine Quitte gefallen, die habe ich geschält, kleingeschnitten, und daraus mit etwas Wasser, Cidre und Zucker ein Kompott gekocht: Erst die Quitten weichkochen, dann noch einmal bei geöffnetem Deckel sprudelnd reduzieren (=Wasser verdampfen lassen). Die gab’s zum Crottin de Chavignol, wobei unser kein frischer, sondern ein harter war, den man beinahe mit der Axt kleinkloppen musste. Fast ein bisschen zu salzig, aber mit dem Quittenkompott prima. Das Baguette von gestern habe ich mit Olivenöl in der Pfanne geröstet (es ist nicht schwarz geworden, das sieht nur auf dem Foto so aus) und mit gehackten, entkernten Tomaten (Markt, kg 2,80) belegt. Dazu gab es noch Radieschen (gigantisches Bund 1 Euro) und das Brot, das wir nachmittags nicht gegessen hatten. Und einen Schluck Cidre. Köstlich!

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*Als “Terroir” bezeichnen Franzosen die Erde und die klimatischen Einwirkungen einer bestimmten Region. Das Terroir hat direkten Einfluss auf den Geschmack der Nahrungsmittel – sowohl der festen, als auch der flüssigen. “Regionales Essen” wäre zu kurz übersetzt. Terroir ist vielleicht so etwas wie die essbare Seele eines Landstrichs – zusammengesetzt aus der Bodenbeschaffenheit und den übrigen natürlichen Umweltbedingungen. “Au Terroir” nennt man ursprüngliche Lebensmittel aus der jeweiligen Region. Franzosen kaufen gern “au Terroir” – und als interessierter Tourist ist es auch eine gute Idee.

17. Oktober 2014 von Britta Freith
Kategorien: Reisen, Rezept | 1 Kommentar

Brotpudding mit Äpfeln

In unserem Brotkorb ist immer ein Bodensatz: nicht aufgegessene Knuste (=Brotenden), die letzte Scheibe, das vergessene Stück – alle schon mehr oder weniger hart. Mich ärgert die Verschwendung, aber ich mag das olle Brot auch nicht mehr essen. Immerhin bewahre ich es auf, wie ein Eichhörnchen. Aber wozu eigentlich? Weißbrot schreddere ich in der Küchenmaschine zu Paniermehl, das geht gut. Oder ich mache Crostini, Croutons oder Bruschetta daraus, wenn es noch nicht ganz so hart ist. Das Misch- und Körnerbrot eignet sich dazu geschmacklich nicht so gut. Gibt es nicht Brotpudding? Google, google

Ich ignoriere, dass sich Körnerbrot angeblich nicht eignet, und erinnere mich daran, dass ich auch schon Kuchen mit Sonnenblumenkernen gebacken habe. Also zerkleinere ich alles Brot, außer den Rest mit den Oliven. Der wird mal Spezialpaniermehl. Einige Stücke sind schon so hart, dass ich das Messer brauche, um sie kleinzukriegen. Rein in die Schüssel, Milch drauf.

Milch Brotpudding

Zwei Stunden stehen lassen, sagen die Rezepte. Hilft bei hartem Vollkornbrot nicht: Meins braucht zum Aufweichen vier und hätte auch gut über Nacht einweichen können. Außerdem muss ich die Schüsseln wechseln, weil die erste zu klein ist. Am Ende habe ich einen ganzen Liter Milch über das Brot gegeben. Schließlich ist es hinreichend weich. Ich entscheide mich für 4 Eier und eine kleine Tasse voll Zucker. Die Eiweiß schlage ich zu Schnee und gebe sie erst ganz zum Schluss in die Teigmasse.

Eier-Brotpudding

Nun zum Aroma. Eine Handvoll getrocknete Weinbeeren sind noch da, dann nehme ich einen Esslöffel von dem Masala, das mir Frollein Doktor mal aus Nepal mitgebracht hat. Zimt, Kardamom, Koriander, Nelken oder was man sonst so liebt passen genau so gut. Aber irgendwie reicht mir das noch nicht. Also nehme ich zwei große knackige Äpfel (in meinem Fall Doppelter Prinz) und mische sie gewürfelt unter.

Brotpudding-Äpfel

Jetzt noch den (gezuckerten!) Eischnee. Ich bewahre 1/3 auf, weil ich an Foto und Verzierung denke. Wer keine Eischneehauben mag, zieht einfach alles vorsichtig unter den Teig.

Man kann Brotpudding im Wasserbad machen, das ist vermutlich klassischer. Schneller geht es in der flachen, gebutterten Auflaufform, da braucht er 45-60 Minuten bei 175°C. Wenn er schon fest und ein bisschen braun ist, streiche ich den Eischnee obendrauf und lasse den Pudding noch 10-15 Minuten im Ofen. Die Temperatur kann dann auf 150°C runter.

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Am besten schmeckt er frisch und warm! Eine sehr angenehme, erstaunlich locker-saftige Mischung, gerade mit dem etwas deftigeren Körnerbrot. Die Äpfel im Teig haben noch ordentlich Biss. Bestimmt passt Vanillesauce gut dazu.

09. Oktober 2014 von Britta Freith
Kategorien: Rezept | Schreibe einen Kommentar

Preisansage: ein Tischlerinterview

Menschen aus kreativen Berufen kennen das Problem: die Preisfrage. “WAS? SO? TEUER? IST? DAS?!!!!” ist die dazugehörige, gefürchtete Kundenreaktion. Gern gebracht werden auch “Aber das Konzept ist doch nur eine DinA4-Seite lang.”, “800 Zeichen tippe ich in weniger als 2 Minuten.”, oder “Mein Internetprovider hat auch Webbaukästen.”. Nun denn, so ist es. Ich will das Thema hier gar nicht vertiefen, sondern erzählen, was ich bei einem beruflichen Netzwerktreffen in Kaiserslautern entdeckt habe. Nämlich ein Schild in einem Schaufenster:

Tisch Preisschild

Zuerst hatte ich die Möbel angeguckt, es war nämlich ein Möbelgeschäft. Nachdem mir gefiel, was ich sah, wollte ich wissen, was es kostet. Und entdeckte außer dem Preis auch Materialbedarf und Zeitaufwand für die guten Stücke. Was für eine Idee! Da wurde jedes “Das ist aber ganz schön teuer!” mit simplen Fakten weggewischt. Das wollte ich mir näher angucken, das sprach mich und meine tägliche Erfahrung als Unternehmerin direkt an. Außerdem gab es in dem Laden auch noch eine Kunstausstellung, die brauchte schließlich Besucher.

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Bei diesem Stummen Diener, eine Tischlerarbeit der Holzwerkstatt, musste ich übrigens an Magritte denken. Der ausstellende Bildhauer, von dem die folgende Skulptur stammt, war Franz-Josef Vanck aus Krefeld, dessen Arbeiten mich zum Teil ein bisschen an Giacometti erinnerte.

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Zeit, mit dem Tischlermeister zu sprechen. Marcel Wiehn war vielleicht etwas verdutzt, aber er hat bereitwillig meine Fragen beantwortet. 1981, direkt nach seiner Lehre, hat er sich mit einem Freund selbstständig gemacht. 1989 zog die Holzwerkstatt nach Finkelbach, wo es einen renovierungsbedürftigen Bauernhof gab. Aber das erzählt Wiehn am besten selbst.

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Wie ging es also los?

Wir hatten keine Finanzierungsplanung und keine Fremdmittel, sondern haben immer, wenn Geld übrig war, die nächste Maschine gekauft. Nach Frankelbach ging es, weil wir einen alten Bauernhof mit Garten fanden, der nicht kaputtsaniert war. Acht Jahre später haben wir die Scheune zur Tischlerwerkstatt ausgebaut. Dann stand der gegenüberliegende Hof leer, und wir haben ihn dazuerworben, die Scheune ausgebaut und zum Ausstellungsraum gemacht. Das Gute: Wir haben dort einen Trockenraum.

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Das heißt was genau?

Das Holz wird in Dielen angeliefert und besäumt. Wir schneiden also die Rinde ab, und dann kommt es in die Trockenkammer. Wenn das bereits gelagerte Holz beim Händler in der Lagerhalle sitzt, nimmt es wieder Feuchtigkeit auf, wie ein Löschpapier. Darum geben wir es noch einmal ungefähr 14 Tage in die Trockenkammer. Harte Hölzer wie Eiche brauchen länger, Erle geht etwas schneller.

Sobald der Ausstellungsraum da war, haben Sie angefangen, Künstler einzuladen. Wie läuft das?

Wir machen das seit 1996/97. Es gibt die unterschiedlichsten Kontakte, wir entscheiden nach Bauchgefühl. Ich bin ja kein Kunstkritiker. Wir besuchen selbst Ausstellungen, wir kontaktieren Künstler oder sie fragen uns. Wir bekommen auch viele Empfehlungen, wenn jemand zu uns passt.

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Und seit 2012 gibt es diesen Laden in Kaiserslautern.

Seitdem wir den Laden haben, hat sich viel verändert. Wir sind ja nur ein kleiner Betrieb, machen kein Kulturmanagement. Das passiert alles in unserer Freizeit.
Jahrelang gab es im Sommer und Winter eine Ausstellung und ein Konzert im Hof, in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Kaiserslautern. Seit 2,5 Jahren haben wir den Laden und damit die Aktivitäten in Frankelbach auf ein bis zwei Konzerte im Jahr reduziert. Die sind ganz unterschiedlich: Jazz, Klassik, gerade hatten wir Klezmer – wie es kommt und je nachdem, was zu uns passt. Auf jeden Fall keine Volksmusik. Das läuft gut, es kommen zwei- bis dreihundert Besucher pro Konzert.

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Der Grund, dass wir hier Künstler ausstellen lassen, ist auch zu fragen: Womit umgebe ich mich? Dazu gehören Möbelstücke, ein schönes Bild, aber auch Kleidung oder die Tasse, aus der ich meinen Espresso trinke. Derjenige, der sich gern mit schönen Möbeln umgibt, ist auch offen für angewandte Kunst und schöne Kunstobjekte – und umgekehrt. Derzeit haben wir meist eine Einzelausstellung mit einem Künstler, im Frühjahr und vor Weihnachten Gruppenausstellungen. Das wird in Kaiserslautern und der Pfälzer Region bis hin in die Frankfurter Gegend und das Saarland gut angenommen.

Die Ausstellung ist jetzt das ganze Jahr über im Laden.

Wir haben immer Möbel, die wir selbst entworfen haben. Die kann man natürlich auch so kaufen, aber sie sind auch Anregung, was möglich ist. Möbelgeschäfte, in dem die Inhaber selbst bauen, gibt es in wenigen Städten. Die Präsentation ist sehr wichtig, man muss das Holz anfassen und die Möbel sehen. Das ist das Wesentliche. Man muss das Rohmaterial sehen und begreifen, dass aus diesem Stamm jetzt eine Vitrine entsteht. So bekommt man einen anderen Bezug zu den Möbeln. Im Möbelhaus sehe ich zehn Regalwände, suche etwas aus und bekomme irgendetwas geliefert. Das ist etwas komplett anderes.
Ich komme auch bei meinen Kunden vorbei, investiere Zeit, wir lernen uns kennen. Die Kunden haben Ideen, ich mache Entwürfe – das ist bis zum Kostenvoranschlag unverbindlich. Dann kann sich der Kunde entscheiden.

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Ich bin ja neugierig geworden und in den Laden gekommen, weil die Arbeitsstunden auf den Preistafeln stehen. Das ist ungewöhnlich.

Es ging darum, Transparenz zu erzeugen. In dem Moment, in dem ich Materialbedarf und Arbeitsaufwand dazuschreibe, kommen wir ins Gespräch – und wir erfahren eine Wertschätzung. Die Kunden merken, wir sind ein Handwerksbetrieb. Da werden nicht irgendwie Holzplatten zusammengeschraubt, da steckt mehr hinter.

Ich kenne aus meiner eigenen Branche als Konzeptionerin und Texterin, dass es Menschen gibt, die viele Anregungen und Kostenvoranschläge holen, dann aber nie wieder kommen.

Man bekommt ein Gespür für die Kunden. Es gibt immer welche, die sich drei Zeichnungen machen lassen und dann woanders hingehen. Das ist unser Los. Aber durch den intensiven Kontakt haben wir gute Ergebnisse. Auch mit der Zahlungsmoral habe ich kaum Probleme. Ausschreibungen machen wir kaum mit. Da fehlt der persönliche Kontakt komplett, die Preisdifferenzen liegen bei 50-60%. Das ist vertane Zeit. Die investiere ich lieber in Kundengespräche, da ist die Erfolgsquote 8:10. Bei einer Ausschreibung liegt sie bei 1:10 und der Aufwand ist wegen des vielen Papierkrams immens. Da geht es nicht um Qualität, sondern um Zahlen.
Die Kunden vergleichen auch, aber wir haben eben keinen Zwischenhandel. Wir können daher viel ausgleichen. Wir agieren in einer Nische, in der wir existieren können.

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Was ist denn das Schönste für Sie?

Das Schönste ist zu sehen, was man mit den eigenen Händen machen kann. Ich habe viel Kundenkontakt, daher viel Einblick in anderer Leute Leben. Ich mache einen Entwurf, ich liefere an, ich sehe die Reaktionen. Die Rechnungsstellung am Ende ist natürlich auch schön.
Weil ich Angestellte habe, komme ich leider nicht mehr so viel in die Werkstatt. Ich bin nicht mehr vom Anfang bis zum Ende bei einem Prozess dabei – höchstens, wenn ich etwas für mich selbst baue.

Schön ist auch der Geruch: Jeder Dritte, der hier in den Laden kommt, sagt, es riecht so toll. In der Werkstatt ist das noch viel intensiver. Wenn man z.B. Kirschbaum aufschneidet, riecht es süßlich. Hölzer wie Eiche sind relativ streng, die reizen die Schleimhäute. Kirschholz dagegen ist angenehm. Es gibt so viele tolle Hölzer, ich weiß gar nicht, welches das schönste ist.

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Haben Sie denn auch Kontakt zum Baum direkt, oder ist es eher das Holz?

Als Tischler arbeite ich natürlich am ehesten mit dem Holz. Manchmal bekommen wir Stämme angeboten, aber in der Regel ist es geschnittenes Holz. Vielleicht bietet uns jemand einen schönen Nussbaumstamm aus seinem Garten an. Wenn der erst fällt, muss man ja ein paar Jahre warten. Aber wenn der schon eine Weile liegt, können wir das Holz mit der eigenen Trockenkammer weiterverarbeiten.

Gibt es einen Traum, den Sie beruflich noch verwirklichen wollen?

Toll ist die Wertschätzung mit Laden und Ausstellung, wenn Leute sagen: Das ist eine Bereicherung für die Stadt. Hoffentlich gibt es das weiter, das wäre ein Riesenkompliment für uns. Alle Aussteller, die bei uns in Frankelbach auf dem Hof waren, kommen gern wieder. Ich mag es, all die Arbeiten, Ideen und Lebensweisen kennenzulernen. Das kann man nicht mit Geld aufwiegen.


Vielen Dank für das spontane Interview, über das ich übrigens die eigentlich geplante Stadtführung ganz verpasst habe! Aber eine Stadt erschließt sich eben nicht nur auf einem Weg. Danke auch für die beiden Bilder, die ich mir von der Website der Holzwerkstatt schnappen durfte.

Die nächste Ausstellung in der Holzwerkstatt wird abstrakte Acrylmalerei von Gerhard Lämmlin sein – sie läuft vom 10.10.-08.11.2014

Die Holzwerkstatt gibt es an zwei Orten: Der Laden ist in Kaiserslautern am St. Martinsplatz, die Tischlerei mit Ausstellungsräumen in Frankelbach.

Alle Termine, wie zum Beispiel die Holzwerkstatt vor Weihnachten ab dem 22. November mit vielen verschiedenen Ausstellern, gibt es auch hier.

07. Oktober 2014 von Britta Freith
Kategorien: Fensterblick, interview | 5 Kommentare

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