“torial” und die wichtigsten User

torial schreibt mir also:

“Hallo Britta!
Wir befragen unsere Besten! Du gehörst zu den besonders aktiven Nutzern und deine Mitarbeit ist sehr wichtig für uns.”

Ich war zuletzt vor 4 Monaten da. Frage mich, wie es um diese Plattform bestellt sein mag.

14. April 2014 von Britta Freith
Kategorien: Arbeitsalltag, Medien | Schreibe einen Kommentar

U-Bahn-Haltestelle Wandsbek-Gartenstadt, 8:30

Ich sitze in der U-Bahn, um mich herum 14 Menschen. vier lesen ein Buch, zwei den Spiegel, zwei die Süddeutsche, zwei auf ihrem Handy, zwei im Tablet. Zwei gucken aus dem Fenster. Es kann um diese Nation nicht so schlecht bestellt sein.

08. April 2014 von Britta Freith
Kategorien: In der U-Bahn | Schreibe einen Kommentar

Sirup aus Blüten der Zierjohannisbeere

Im Grunde gibt es kaum einen Busch, den ich überflüssiger finde, als die Zier- oder Blutjohannisbeere (Ribes sanguineum). Ja, er sieht schön aus. Und ich muss zugeben, er ist eine hervorragende Bienen- und generell Insektenweide im Frühjahr. Aber jeden Herbst ärgere ich mich darüber, dass nur ein paar mäkelige Beeren dranhängen, mit denen ich so gar nichts anfangen kann. Viel lieber hätte ich den Garten voll von schwarzen Johannisbeeren, das wäre doch viel sinnvoller.

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Ein weiterer Vorteil dieses Busches allerdings: Er duftet so gut! Natürlich nach Johannisbeeren, der alte Betrüger. Also habe ich überlegt, wie ich ihm dieses Aroma abtrotzen kann – und kam auf Sirup. Da auch diese Johannisbeere als Stachelbeergewächs ungiftig ist, spricht nichts dagegen. Also habe ich mir das Siruprezept von Marianne Tschumi aus meinem Buch gegriffen und es für die Blüten der Blutjohannisbeere abgewandelt.

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Leider habe ich nur eine hellrosa Sorte im Garten. Dunkelrosa wäre natürlich spektakulärer. Aber ich glaube kaum, dass meine Nachbarin einwilligt, dass ich ihren schönen Busch plündere. Und immerhin habe ich 200g Blüten zusammengeklaubt. Eine ganz schön klebrige Angelegenheit übrigens, hätte ich nicht gedacht. Die Blüten habe ich mit 5 Litern Wasser aufgefüllt.

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Dann ab in die Sonne damit. Eigentlich für zwei Tage, aber bei mir standen sie drei – sahen nach dem Abgießen aber noch aus wie neu. Also die Blüten, nicht das Wasser, das war trüb. Wahrscheinlich sind sie als Frühjahrsblüten robust und feuchten Kummer gewohnt. Zugegeben, sie sind etwas blasser geworden und nahmen nicht mehr ganz so viel Volumen ein, aber dennoch.

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Leider ist kaum etwas von der rosa Farbe ins Wasser übergegangen. Ob das bei dunklen Blüten anders gewesen wäre? Den Geruch fand ich, ehrlich gesagt, auch nicht so prickelnd. Fast eine Nuance faulig. Aber das könnte auch der dritte Tag gewesen sein? Dagegen spricht allerdings, dass die Blüten kein bisschen weich oder gar matschig waren. Jedenfalls habe ich zunächst nur 2 Liter Flüssigkeit verkocht: Blüten absieben, zwei Liter Flüssigkeit plus 2 Kilo Zucker, aufkochen, Zitronensäure dazu, fertig. Während des Kochens verflog auch der komische Geruch und der Sirup wurde viel klarer.

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Die kritische Familie hat getestet und fand den Sirup richtig prima. Ich habe mehr erwartet, mehr Johannisbeere. Aber da alle so begeistert waren, habe ich den Rest auch noch gekocht und er wird weggehen – fraglos. Und bis zum Holunderblütensirup habe ich wieder freie Flaschen.

Mehr Details zur Zierjohannisbeere.

03. April 2014 von Britta Freith
Kategorien: Garten, Gartenbuch, Rezept | Schreibe einen Kommentar

Rechtschreibung und Botschaft – eine Überlegung

Wibke hat mit dem ihr eigenen Sinn und Verstand einen Artikel im Feuilleton der FAZ über den Sprachnotstand an Unis gelesen und darüber gebloggt. Sie fragt dabei auch nach den Gedanken anderer Textmenschen zum Thema Rechtschreibung und Sprache. Hier sind meine.

Mein Verhältnis zur deutschen Rechtschreibung ist älter als das zu meinem ältesten Grundschulfreund. Den lernte ich erst mit acht Jahren kennen, die Rechtschreibung schon mit vier oder fünf. Damals begann ich die ersten Zettelchen zu schreiben, und die Lust daran hat mich bis heute nicht verlassen. Wie viele Kinder schrieb ich anfangs „Libe“ statt „Liebe“ und fahren ohne H. Aber ganz schnell wurde ich richtig gut, so dass schon im Zeugnis der ersten Klasse stand:

Bekannte und unbekannte lautgetreue Wörter schreibt sie fehlerfrei. Sie berücksichtig in Ansätzen bereits Vereinbarungen der Groß- und Kleinschreibung. Sie ist schon in der Lage, kleine Geschichten aufzuschreiben und fortzusetzen.

Die richtige Schreibweise ging wie automatisch in meinen Kopf. Ich machte so wenig Fehler, dass ich mich heute noch an ein ärgerliches Diktat in der dritten Klasse erinnere: Darin hatte ich konsequent „viertel vor“ statt „Viertel vor“ geschrieben. Der ganze Text war rot, das war wie ein persönlicher Angriff auf mich. Nun, seitdem weiß ich, wie man es richtig schreibt, aber dennoch.

Bis heute beurteile ich Menschen danach, ob sie richtig oder falsch schreiben. Ich kann gar nichts dagegen machen, es ist tief in mich eingepflanzt. Dennoch bin ich dabei, diese Meinung zu revidieren. Darüber bin ich sehr froh. Mittlerweile glaube ich, dass es noch viele andere Kriterien als die Rechtschreibung gibt, um Textqualität zu beurteilen.

Je schneller desto falsch

Früher war Schreiben ein Akt. In meiner Generation (Einschulung Mitte der 1970er) hat man Schreiben noch mit dem Füller gelernt. Erst Kreise, dann Bögen, immer schön rhythmisch, groß und klein. Das kostete viel Zeit. Tintenkiller waren viel diskutiert (und bei mir zu Hause idiotischer Weise verboten): Man sollte doch so langsam und bedacht schreiben, dass gleich alles richtig war.

Ich erinnere mich an Zeiten (noch in meiner Kindheit), in denen die Korrekturbänder von elektrischen Schreibmaschinen daraufhin untersucht wurden, ob die Sekretärin zu viele Tippfehler machte. Wie vorgestrig ist das schon heute! Schon wenige Jahre später war es bei den Bildschirmschreibmaschinen egal, ob man die Korrekturtaste drückte. Wer regt sich heute über ein [backspace] auf? Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie oft ich diese Taste im Laufe des Tages drücke. Und natürlich ist es komplett egal, wie oft ich einen Text nach dem Schreiben korrigiere, bevor ich ihn abschicke oder ausdrucke(n lasse). Online korrigiere ich ohnehin noch zig Mal, weil ich finde, ich könnte mich verbessern – nicht nur von der Rechtschreibung her, sondern auch stilistisch. Aber bitte: Es ist mein Beruf.

E-Mails oder Forenbeiträge schicke ich oft so schnell ab, dass Fehler drin bleiben. Ich denke eben schneller als ich tippe – dabei tippe ich doch schon schnell! In meinen SMS oder anderen Kurznachrichten steht ihc und dsa – Word und auch viele Telefone ändern das meist automatisch. Birtta jedoch steht noch nicht auf ihrer Liste.

Ich bin Chef, ich darf das

Nun las ich vor einiger Zeit, dass gerade Personen in Führungspositionen mehr Fehler verschicken als andere. Sie erlauben sich das, was ihr Sekretariat nicht darf: Tippfehler. Sie stünden darüber, hieß es da. Wer sehr beschäftigt ist, hat für so einen Kleinkram wie Buchstaben keine Zeit.

Vielleicht kann man seine Wichtigkeit heute dadurch beweisen, dass man andere für sich korrigieren lässt? Ich mache das übrigens auch, ich nutze dieses und dieses externe Korrektorat, bevor Texte an meine Kunden gehen. Eigene Texte zu korrigieren ist schwierig, man wird textblind. Ich empfehle wirklich jedem, vor einer offiziellen Veröffentlichung ein gutes Korrektorat über die Texte laufen zu lassen.

Doch dass ich das mache, heißt ja nicht, dass ich die Rechtschreibung nicht beherrsche. Ich nehme mir vielleicht nur keine Zeit dafür. Gibt mir das jedoch das Recht, über andere zu urteilen, die damit tatsächlich Schwierigkeiten haben? Mittlerweile glaube ich: nein.

Recht und richtig sind sind zwei Dinge

Ja, ich finde nach wie vor, dass in den Schulen auf die richtige Schreibweise geachtet werden sollte. Ich finde, es werden heute zu wenig Diktate geschrieben. Die Beliebigkeit der Schreibweise (schreib, wie du sprichst) verunsichert Kinder. Das habe ich bei meinen eigenen und auch bei anderen Kindern gemerkt. Alle wollten wissen, wie es denn nun richtig geht. Denn sie waren wild darauf, zu schreiben wie die Großen. Aber die Lehrer fanden, wir sollten sie in Ruhe lassen, damit sie sich entfalten könnten. Hab ich nicht gemacht, ich habe ihnen gesagt, wie das Wort geschrieben wird. Man sagt einem Kind doch auch nicht, es soll Rad fahren, wie es ihm in den Kopf kommt. Man zeigt, was man kann – warum nicht beim Schreiben? Ich finde es verflixt unfair, das nicht zu tun und die Verantwortung auf ein Später, das irgendwie schon kommen wird, zu verschieben. Bloß nicht Schuld sein, wenn man es als Lehrer nicht geschafft hat. So kommt es mir vor.

Früher jedoch hätte ich auf all die Falschschreiber als nicht so fähig herabgeblickt. Das geht heute nicht mehr. Einerseits wegen der Schulausbildung, andererseits kann ich das aber auch aus Erfahrung nicht mehr. Ich kenne mittlerweile so viele brilliante Menschen mit Rechtschreibschwäche. Menschen, die alles klein schreiben, weil sie für die Hochstelltaste zu schnell sind. Menschen, die ganze Drehbücher schreiben, aber Kommas, Dehnungs-Hs und andere Kleinigkeiten wahllos verteilen. All diese Menschen haben viel zu sagen und wirklich gute Ideen: Die kann ich doch nun nicht alle abqualiefiezieren, nur, weil sie das Wort, das ich eben geschrieben habe, so schreiben, wie ich es eben geschrieben habe?

Rechtschreibung hat einen guten Grund, denn sie macht das Leben leichter. Es ist ein Unterschied, ob sich jemand wieder spiegelt, oder ob er sich widerspiegelt. Das gilt auch für Kommasetzung. Fritz sagt, Paul sei dumm. Fritz, sagt Paul, sei dumm. Aber all diese Regeln zum Maß für Klugheit und Bildung zu machen, halte ich für falsch. Richtig finde ich jedoch, Kindern gleich von Anfang an wirklich beim Lernen zu helfen und sie nicht im Dunkeln tappen zu lassen. Gerade, weil doch heute viel weniger gelesen wird. Unsere Art zu rezipieren ändert sich rasant. Wie sollen Kinder anhand von Texten denn noch lernen, richtig zu schreiben? Wir lesen doch heute häufig nur noch Bruchstücke – und das auch noch in anderen Sprachen.

Was kommt nach geschriebenem Text?

Die Menschen werden auch weiter ihre Gedanken ausdrücken – die Frage ist nur, wie. Wir hatten schon einmal eine Zeit auf unserem Planeten, in der die Menschen ihre Geschichten in Bildern gezeigt haben. Nur dass sie damals nicht filmten, sondern in Stein meißelten und auf Felswände malten. Das verlangt von Betrachtern viel Denkarbeit. Es macht eine Botschaft einerseits ungenau, aber es macht sie auch interpretierbar. Daraus kann viel Neues entstehen.

Gerade saß ich mit einer Kollegin zusammen, die bedauerte, dass ihr Sohn sich nicht mehr detailliert ausdrücken könne. Er sei sehr schlau, aber er bewege sich in der Welt des Chats, lese auch kaum Bücher. Das müsste doch zur Folge haben, dass er auch nicht mehr so tiefgreifend mit Problemen auseinandersetzen könnte. Denn, so ihr Schluss, nur, wer seine Gedanken auch genau und qualitativ hochwertig aufschreiben könnte, könne sie doch auch ordnen.

Ich glaube das so nicht. Wir stehen schon mitten in der Entwicklung völlig neuer Ausdrucksmöglichkeiten. Unsere Spielzeuge dafür sind vielfältig und werden immer mehr. Wir können heute leicht mit Sprache und Filmen arbeiten. Mein Sohn denkt auf einem Youtube-Channel herum und entwickelt dafür gerade Charaktere. Präsentationen und Websites greifen immer mehr auf einen Canvas, also auf eine große bewegliche Fläche, zurück (Beispiel Prezi). Unser Denken wird immer vielschichtiger, vernetzter, immer dreidimensionaler. Damit eröffnen sich uns ganz andere Möglichkeiten, Botschaften zu verteilen und auch künstlerischer zu werden.

Was gleich bleiben wird? Dass eine gute Geschichte andere mitreisst. Wer sie verständlich erzählen kann, hat einen klaren Vorteil. Das Mittel ist dann fast egal.

28. März 2014 von Britta Freith
Kategorien: Text, Sprache, Allerlei | 3 Kommentare

Das literarische Kaleidoskop von Regina Kehn

Rotkaeppchen-fuer-junge-Leserinnen

Ich mag die Zeichnungen und Bilder von Regina Kehn sehr – was nicht daran liegt, dass ich die Illustratorin persönlich kenne. Als sie mir Anfang des Jahres ihr neues, eigenes Buch zeigte, war ich gespannt: Und ich muss sagen, es gefällt mir ausgesprochen gut! Darum dachte ich mir, ich stelle ihr doch mal ein paar Fragen. Ihre Antworten findet ihr weiter unten auf dieser Seite. Da geht es um das Aufbrechen von gewohnten Mustern und darum, neue Wege zu beschreiten. Zuerst aber ein bisschen über das Buch selbst.

Geschichten und Gedichte in Illustrationen eingebunden interpretiert – so lässt sich wohl ausdrücken, was Kehn gemacht hat. Und lasst euch bitte nicht von der Bild rechts irritieren: Dieses Buch ist keinesfalls nur für junge Literaturfans. Bei mir liegt es nun schon einige Wochen neben dem Sofa und ich denke überhaupt nicht daran, es dort wegzunehmen. Es bringt mir einfach zu viel Spaß, darin herumzublättern, mich in die Illustrationen und Texte zu vertiefen und sie neu zu erleben. Jedesmal frage ich mich, was meine Lieblingsgeschichte ist – aber ich habe mich immer noch nicht entschieden.

Die vielfältige Bebilderung lässt mich neu auf vieles Bekanntes gucken – einiges habe ich jedoch auch neu entdeckt. “Der goldene Schlüssel” der Brüder Grimm kannte ich nicht (ich mag die weißgraue Winterstimmung bei dieser Geschichte), “Das arme Kräutlein” von Ringelnatz hingegen schon. Nie lagen die graue Stadt am Meer und der Meeresstand von Storm für mich näher an der Nordsee. Und Morgensterns Seufzer finde ich einfach hinreißend, wenn auch höchst bedauernswert.

Andere Fundstücke in diesem Buch stammen von Kafka, Charms, Krüss, Eich, Zech, Mayröcker, Gustav Falke, Rose Ausländer, Georg Heym, Günter Kunert. Alle Texte sind im hinteren Teil des Buches noch einmal ohne Illustration mit dem Originaltext abgedruckt, dazu gibt es für jeden Schriftsteller noch eine kurze Vita.

Regina Kehn im Gespräch

Wie ist die Idee zu dem Buch entstanden? Ist der Verlag an dich herangetreten oder du an den Verlag? 

Ich habe im Sommer 2010, ohne an ein Buch zu denken, für mich angefangen, Gedichte mit einem großen Pinsel zu schreiben und zu zeichnen, einfach, um etwas Neues zu machen. Den ersten Text habe ich in Frankfurt auf der Buchmesse gezeigt, ohne zu glauben, dass jemals ein Buch daraus entstehen wird.

Die Gedichtauswahl finde ich wirklich großartig. Wie kam es dazu?

Erstmal habe ich natürlich ganz viele Gedichte gelesen. Und dabei entstehen oft innere Bilder, aber eben nicht bei jedem Text.
Wenn diese Bilder diffus waren, hatte ich große Lust, daran weiter zu arbeiten. Manchmal stieg da ein Farbklang auf, oder eine bestimmte Figur. Ein Auswahlkriterium: Dass ich mich gefragt habe, was ich noch zu einem Text setzen könnte. Ich habe dabei an Altbekanntem angeknüpft und von dort ausgehend gelesen, also Morgenstern und Ringelnatz, die ich beide gut kannte, aber auch da habe ich Texte neu entdeckt wie „Das arme Kräutlein“.
Eigentlich war die Textauswahl also sehr intuitiv.

Man kann dieses Buch sowohl kleinen Kindern vorlesen als auch als Erwachsener darin versinken. Hattest du einen speziellen Leser vor Augen, als du es gemacht hast?

Wie gesagt, als ich angefangen habe, dachte ich gar nicht daran, daraus ein Buch zu machen. Ich wollte eher etwas machen, was nichts mit meiner sonstigen Arbeit zu tun hat – eine Art Weiterentwicklung. Als sich der Fischer-Verlag dafür interessiert hat, war ich total glücklich. Danach hab ich mich ganz in die Texte hinein begeben, die waren Maßstab, dies umzusetzen war die Herausforderung.

Über welchen Zeitraum ist das Buch entstanden?

Ich habe fast drei Jahre immer wieder daran gearbeitet, das letzte Jahr vor Abgabe im Sommer 2013 fast vollständig.

Mir gefällt besonders, dass du unterschiedliche Stilmittel aufgreifst, sehr experimentell wirst – sicher auch über deine alltägliche Arbeit als Kinderbuchillustratorin hinaus. Wirst du damit künstlerischer, kehrst zu deinen Wurzeln zurück, oder …?

Ich zeichne ja schon sehr lange, aber ich wollte ganz weg vom Gewohnten. Und daher habe ich angefangen, mit der linken Hand zu zeichnen und zu schreiben, weil ich nicht in die vertrauten Bewegungen kommen wollte. Und das war sehr interessant, weil man in so einem Fall nicht mehr auf das zurückgreifen kann, was man so kann und so macht, weil die linke Hand sich ihren Weg erst suchen muss. Ich habe dann wieder auf die rechte Hand gewechselt, aber mich weiter in diesem Spannungsfeld bewegt und vom Prozess leiten lassen. Generell mag ich diesen Pinselstrich, weil jede Bewegung der Hand im Duktus deutlich wird und er sehr lebendig zu handhaben ist.  Es war im Grunde ganz simpel: Der Pinsel, die Wasserfarbe, die Tusche auf dem Papier …

Ich wollte also weg vom Üblichen, zurück zur Wurzel, zur ursprünglichen Liebe zur Zeichnerei und im Prozess haben sich ganz andere neue Dinge ergeben.

Ich musste beim Lesen auch an die alten 70er-Jahre-Bücher von Beltz & Gelberg denken und an die Jahrbücher für Kinder aus dem gleichen Verlag, diese Wundertüten voller Vielfalt. Siehst du dein Buch in einer bestimmten Tradition oder steht es einfach für sich?

Es steht schon für sich. Manchmal habe ich still bei der Vorstellung gelacht, in diesen digitalen Zeiten ein Buch zu veröffentlichen, welches nur handgeschriebene Text enthält. Auch die Verbindung Text und Bild auf einem Blatt, und das zeilenweise bebildern, wodurch die Gedichte sich über einige Seiten erstrecken, ist neu.

Hast du bereits ein nächstes Herzensprojekt?

Nein, es gibt ein paar Ideen, noch etwas diffus und zu früh darüber zu sprechen.

 

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Regina Kehn
Das literarische Kaleidoskop
S.Fischer Verlag | KJB
ISBN 978-3-596-85618-3
16,99 Euro

Leseprobe

Am 20. März gibt Regina Kehn übrigens einen kleinen Illustrationsworkshop für Kinder in Wien.

 

16. März 2014 von Britta Freith
Kategorien: Arbeitsalltag | 1 Kommentar

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