Oh Terroir! *

Ich bin verreist, ich bin in Frankreich. Das Tolle an Frankreich ist ja, dass man hier so gut essen kann. Nahezu unglaublich gut. Die französische Landküche liebe ich noch mehr als die italienische, weil sie ursprünglicher ist. Eine bodenständige Raffinesse. Zwar esse ich auch sehr gern italienisch, aber im Grunde sind es mir dort immer zu viele Nudeln. Außer, es gibt Risotto, aber dann bin ich zu schnell satt, um viele verschiedene Dinge zu probieren. Das taugt dann auch wieder nichts. Vermutlich kommt mir die Liebe der Franzosen zur Kartoffel auch näher, als die Liebe zu guter Pasta. Pasta hieß in meiner Kindheit zwingend Miracoli, und das Zeug hat ein Trauma ausgelöst, dass sich nur schwer endgültig bearbeiten lässt.

Ich komme vom Thema ab: In Frankreich zu sein bedeutet, günstig, gut und frisch auf Märkten einzukaufen. Ich weiß nicht, was die Leute immer mit angeblich hohen Lebensmittelpreisen in anderen europäischen Ländern haben. Ich bekomme ich Frankreich zwei jeweils handgroße (Finger ausspreizen!) Brote und einen Ziegenfrischkäse mit derselben Grundfläche für insgesamt 8,90 Euro. Sowohl Brot als auch Käse waren direkt vom Erzeuger, der Käse aus Rohmilch, das Brot einerseits mit Kürbisfleisch und Kürbiskernen, andererseits mit gemahlenen Nüssen. Köstlich.

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Wir haben es noch direkt am Fuße des Denkmals von Jeanne d’Arc verspeist – nein, nur fast, denn wir haben nur die Hälfte des Brots und den Käse essen können. Danach waren wir satt. (Und ich bin mit einem großen hungrigen Mann unterwegs.) Nebenbei haben wir das Treiben auf dem Markt bestaunt.

 

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Sehr geduldig stehen die Menschen zwischen 17 und 20 Uhr am Gemüsestand in Orléans an, um – Überraschung! – Salat, Gemüse und damit ihr Abendessen zu kaufen. Danach wird es etwas leerer, denn dann wird ja irgendwann gekocht. Seit einigen Jahren gibt es übrigens eine intensive Bewegegung für lokales und biologisches Essen in Frankreich; es ist eine wahre Freude. In einem Bio- und Fairtrade-Markt erzählte mir eine Mitarbeiterin heute von Biotüten (vergleichbar unseren Biokisten). An diesem Marktstand kann man die Tagestüte des lokalen Erzeugers kaufen. Der Inhalt ist auf dem Schild aufgelistet:

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Ein Stück weiter der Brotstand: Croissants und andere Vienneroiserie (süßes Gebäck), Tomatenbrot, Sauerteigbrot, Früchtebrot, Brioche, Zuckerkuchen, Baguette… auch hier immer mehr Produkte aus Biomehl. Bei diesem Anbieter war die Sorte des Mehls sogar detailliert auf dem Schild ausgewiesen.

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Niemand wird sich wundern, dass wir gegen 18 Uhr nur noch blörps sagen konnten. Gegen 21.30 war der kleine Hunger für eine leichte Abendmahlzeit jedoch wieder da. Es gab also frischen grünen Salat (1 Euro vom Markt), mit gerösteten Walnüssen (Garten) und Feige (Garten), darüber Walnussöl eines lokalen kleinen Herstellers (Flasche 500 ml, 10,80, puh. Bitter, aber sehr walnussig, lohnt sich. Und ist ein schönes Souvenir.). Vom Quittenbaum im Garten war eine Quitte gefallen, die habe ich geschält, kleingeschnitten, und daraus mit etwas Wasser, Cidre und Zucker ein Kompott gekocht: Erst die Quitten weichkochen, dann noch einmal bei geöffnetem Deckel sprudelnd reduzieren (=Wasser verdampfen lassen). Die gab’s zum Crottin de Chavignol, wobei unser kein frischer, sondern ein harter war, den man beinahe mit der Axt kleinkloppen musste. Fast ein bisschen zu salzig, aber mit dem Quittenkompott prima. Das Baguette von gestern habe ich mit Olivenöl in der Pfanne geröstet (es ist nicht schwarz geworden, das sieht nur auf dem Foto so aus) und mit gehackten, entkernten Tomaten (Markt, kg 2,80) belegt. Dazu gab es noch Radieschen (gigantisches Bund 1 Euro) und das Brot, das wir nachmittags nicht gegessen hatten. Und einen Schluck Cidre. Köstlich!

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*Als „Terroir“ bezeichnen Franzosen die Erde und die klimatischen Einwirkungen einer bestimmten Region. Das Terroir hat direkten Einfluss auf den Geschmack der Nahrungsmittel – sowohl der festen, als auch der flüssigen. „Regionales Essen“ wäre zu kurz übersetzt. Terroir ist vielleicht so etwas wie die essbare Seele eines Landstrichs – zusammengesetzt aus der Bodenbeschaffenheit und den übrigen natürlichen Umweltbedingungen. „Au Terroir“ nennt man ursprüngliche Lebensmittel aus der jeweiligen Region. Franzosen kaufen gern „au Terroir“ – und als interessierter Tourist ist es auch eine gute Idee.

17. Oktober 2014 von Britta Freith
Kategorien: Reisen, Rezept | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. „Essbare Seele eines Landstrichs“ – was für eine wunderbare Formulierung! Und dieser Urlaub klingt sehr genussvoll. Ich reise in Gedanken mit.

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