Listentypen

Listen, Gruppen, Chats… Wer ausgiebig in diesem Internet unterwegs ist, trifft immer wieder auf unterschiedlichste Plattformen, auf denen sich Menschen austauschen. Manche machen das in Blogkommentaren (Das Wiederbeleben ist gerade en vogue.), andere in Facebookkommentaren und wirklich spezielle Typen mit besonderen Themen nutzen tatsächlich noch eine der Urformen zum Austausch: das Forum. Für die jüngeren oder nicht so netzkundigen Leser: Foren sind häufig themenbezogene Gesprächs- oder Arbeitsgruppen, denen man sich anschließen kann. Es gibt sie für Schafhalter, Gamer, Antiquitätensammler… Viele Foren sind schon richtig alt, halten ein großes Wissen bereit und oft ein Design von 2002.  Aber das nur am Rande.

Als ich mich vor xundumfzig Jahren selbstständig machte, habe ich als Forum den Texttreff entdeckt (ein großartiges Forum für schreibende Frauen) und da auch die wunderbare Christa Goede getroffen. Christa ist, wie ich, berufsbedingt viel im Internet unterwegs. Nach einem Facebookchat tauschten wir uns neulich kichernd über Forentypen aus und beschlossen, eine Zwillingsliste von Forentypen zu bauen: die eine Hälfte bei ihr, die andere Hälfte hier. Im Laufe der Jahre habe ich manchmal das Gefühl, es gibt sowieso nur wenige Menschen im Internet und sie setzen mitunter andere Perücken auf. Man trifft sie immer wieder.

Kennt ihr die?

(Ähnlichkeiten mit mir tatsächlich bekannten Personen sind möglich, aber nicht beabsichtigt und keinesfalls böse gemeint.)

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Die Tierfreunde
Engagieren sich zunächst vorgeblich für eine Sache bis sie offen sagen, dass Tiere doch immer noch ihre besten Freunde sind, nämlich viel treuer als Menschen. Posten ab dann nur noch Tierschutzbeiträge, Warnungen vor vergifteten Hundeködern und Vermittlungsgesuche von Straßentieren aus abseitigen Regionen der Welt. Wenn man sie dafür kritisiert, wird man beschimpft oder entfolgt. Leider kann man sich bei diesen Leuten nie sicher sein, ob sie politisch rechts oder links stehen – in der Regel sind sie nur tierradikal.

Die Nach-Wochen-einen-Schwall-Poster
Posten erst etwas, nachdem das Thema laaange durch ist. Dafür dann aber gleich seitenlang, weil sie vorher nicht dazu gekommen sind. Vergessen dabei keinesfalls, alle vorherigen Meinungen zu bestätigen, feiern aber ihre eigene als krönenden Abschluss und irgendwie doch neu und anders.

Die, die nicht meckern wollen
Das Posting beginnt mit der Anmerkung, man wolle nichts Böses, nicht meckern oder nichts schlecht reden. Nachdem das klar gestellt ist, beginnt der freie Lauf und alles wird klitzeklein auseinandergenommen, bekrittelt, beäugt. Kein Stein bleibt auf dem anderen bis auch ganz sicher klar ist: So geht es nun mal gar nicht. Zum Glück ist es nicht bös gemeint, kann aber demotivierend wirken.

Kleinkarierte Faktensammler
In den meisten Fällen männlich, tritt selten auch in der weiblichen Variante auf. Diese Person ist im Real Life unauffällig, vielleicht sogar als Loser oder Kauz abgestempelt. Dafür stellt sie im Internet wen dar, kennt die letzte Schraube eines Wankelmotors von 1956 und würde jetzt idealerweise kommentieren „Wankelmotoren hatten 1956 gar keine Schrauben, sondern waren durchweg genietet“.

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Substanzlose Wir-Typen:
Betonen gern den Wert der Gruppe und wie gern sie dabei sind, haben aber bei näherer Recherche noch überhaupt nichts beigesteuert, schon gar keine hilfreichen Tipps. Nach außen geben sie sich gern als große Macher und Initiatoren.

Die Polterer
Haben zwischendurch gerne mal einen Wutanfall, weil irgendwer nichts kapiert, was alle wissen sollen und weil sowieso nichts richtig läuft. Aber es hört ja auch niemand zu. Echt ey.

Die Zustimmer
Finden einfach alles toll, auch das Gegenteil. Versuchen mit aller Macht, Harmonie zu schaffen, vergessen dabei aber, eine eigene Meinung zu entwickeln oder gar kundzutun. Wenn man sie nach ihrer Meinung fragt, wiederholen sie das Vorhergesagte und dann klingelt es leider an der Haustür, darum können sie jetzt nicht weiterschreiben. Schade!

Die wandelnde Katastrophe
Ihr passiert einfach alles, jedesmal. Das Auto ist kaputt, der Schlüssel steckt drinnen in der Tür, was im Augenblick besonders schlecht ist, weil die Herdplatte angeschaltet ist. Und ja, sie wohnt im dritten Stock, das Handy ist heute morgen ins Klo gefallen und deswegen kann sie niemanden anrufen, sie postet jetzt vom Rechner des Kioskbesitzers, der sie als Geisel genommen hat. Gestern war etwas Ähnliches und die Woche davor auch. Krass.

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Die Superhelden
Sind quasi der Gegenpol zur wandelnden Katastrophe. Sie haben alles schon erlebt, sind mit allen Wassern gewaschen, nichts kann sie erschüttern. Typisch sind Satzanfänge wie „Als ich beim Vietcong war…“, „Damals, als der Verfassungsschutz die Tür aufbrach…“, „Bei meinem letzten Ironman…“.

Die Aufspringer
Posten häufig das eigene dramatische Ereignis über das dramatische Ereignis einer anderen Person. Kann je nach Konstellation lustig oder ermüdend werden. Treffen mehrere Superhelden oder wandelnde Katastrophen aufeinander, liest sich so ein Thread wie der Ratgeber „Besser Angeben für jedermann.“

Die Nixmerker
Lesen sich die Ausgangsnachricht und auch die Kommentare höchstens halb durch. Fassen gern alles falsch zusammen und äußern abschließend etwas komplett Unzusammenhängendes. Beliebt ist dabei auch die Bemerkung: „Ich hab da was gelesen… Aber ich weiß nicht mehr wo. Aber wenn ich das wiederfinde, sag ich dir Bescheid. Sonst google doch den Begriff einfach mal.“

 

Zu böse? Trotzdem Lust auf noch mehr Listentypen? Drüben bei Christa gibt es die andere Hälfte!

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22. Oktober 2015 von Britta Freith
Kategorien: Arbeitsalltag, Stilkritik, Webwelten | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Pingback: Engagierte Typen | Christa Goede

  2. *schlapplach*
    Leider bin ich auch nicht immer frei von alledem, aber so isses… :-)
    LG,
    Mel

  3. Hi. Das klingt alles ziemlich lustig und ich finde du hast für jeden Menschen Typ die passende Überschrift gewählt^^ Bin selbst auch schon ewig in Foren aktiv und kenne das. Allerdings muss man berücksichtigen, das wir im Internet zum größten Teil nur „Lesen“ was andere Person schreiben. Jedoch wäre ich mit dem beurteilen etwas vorsichtig. Wenn jemand ein Posting abgibt, dann klingt das immer anders als wenn derjenige es sprechen würde. Die Gefahr ist also sehr groß, etwas falsch zu verstehen bzw es kommt anders rüber als es gemeint war. Trotzdem finde ich diesen Artikel sehr interessant und witzig 😉

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