Eindrücke aus dem Städtchen Mayen

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07. August 2014 von Britta Freith
Kategorien: Reisen | Schreibe einen Kommentar

Brombeeren: Einmal im Jahr ist es Liebe

Harke Brombeere

Sie wachsen mühelos drei Meter in vier Wochen. Sie haben Stacheln wie Widerhaken, die jung und grün genau so in der Haut stecken bleiben wie alt und verholzt. Natürlich brechen die Stachelspitzen ab und sitzen dann tief im Fleisch, wo sie sich prima entzünden und nur mit Entschlossenheit, Nadel und Pinzette herausgewühlt werden können. Ihre unterirdischen Ausläufer haben allein den Vorteil, dass sie keine Stacheln haben – sonst sind sie genau die gleiche Pest. Sie bilden eine nachhaltige, hartnäckige und erfolgreiche Allianz mit Brennnesseln: Was die eine nicht wegpiekst, nesselt die andere aus dem Weg. Das wiederum deutet auf einen stickstoffhaltigen Boden hin, was auch einige Distelarten freut. Mein Garten, meine Folterkammer. Die Brombeeren als nach außen gekehrte eiserne Jungfrauen.

(Mehr zu Stickstoffzeigern oder Nitrophyten: hier entlang.)

Kein schönes Bild, eher eine buschige und mitunter lästige Tatsache: Die Brombeerhecke. Zum Glück habe ich genug Platz, sonst wäre sie längst weg.

Kein schönes Bild, eher eine buschige und mitunter lästige Tatsache: Die Brombeerhecke. Zum Glück habe ich genug Platz, sonst wäre sie schon weg.


Die Brombeeren hätten den Garten längst erobert, würde ich sie nicht immer wieder entschlossen bekämpfen. An vielen Stellen habe ich ihnen schon den Garaus gemacht. Wenigstens denke ich das so lange, bis doch wieder ein meterlanger Trieb aus dem Gebüsch schießt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Dornenhecke um Dornröschen aus Brombeeren, und nicht aus Rosen bestand. Wobei Brombeeren ja auch ein Rosengewächs sind. Das erkennt man schon an den Blüten: 5 Blütenblätter, 5 Kelchblätter, unzählige Staubgefäße, oberständiger Fruchknoten … Wer jetzt sagt, dass doch Kirsche und Apfel auch solche Blüten haben, hat noch andere Vertreter der Rosaceaen gefunden. Toll, wie sich eine Familie so unterschiedlich ausprägen kann! Wobei ja manch sanfte Nichte auch eine durchaus stachelige Großtante …

Die Brombeeren blühen einfach immer weiter, bis zum Frost. Natürlich könnte man die neuen Blüten abschneiden, damit die Kraft in die Früchte geht. Aber das ist mir zu pieksig und bei meiner Brombeermenge auch nicht nötig.

Die Brombeeren blühen einfach immer weiter, bis zum Frost. Natürlich könnte man die neuen Blüten abschneiden, damit die Kraft in die Früchte geht. Aber das ist mir zu pieksig und bei meiner Brombeermenge auch nicht nötig.


Erst wollte ich die unterschiedlichen Ranken in meinem Garten noch schützen, weil ich dachte, ich hätte besonders seltene Varietäten. Fedrige Blätter, große, flächige, kleinstachlige, wenig-stachlige Varianten, manche Beeren sind kleiner, andere größer, einige kommen eher, andere später. Aber zum Glück habe ich nachgelesen: Brombeeren kreuzen sich von selbst wie verrückt, Kultursorten verwildern, wilde Sorten denken sich quasi ein neues Kleid aus. Mehrere hundert Sorten gibt es in Deutschland und offenbar kann kaum jemand sie richtig unterscheiden. Also habe ich entschieden und überlasse den Brombeeren nur wenige Ecken im Garten. Da stutze ich sie und binde sie hoch und kümmere mich. Dieses Jahr lohnt sich die stachelige Mühe richtig: Ich ernte gerade kiloweise. Und dann finde ich Brombeeren toll! Besonders die exakt reifen, süßen, die aber nur etwa zwei Stunden lang so perfekt sind und dann abfallen oder vertrocknen. Die kommen meist gleich in den Mund. Oder ich mache einen Brombeertraum.

Wenn ich mit der Ernte durch bin, bleibt immer noch reichlich Süßes für andere Insekten - die dann im August und September nicht über meinem Kuchen kreisen.

Wenn ich mit der Ernte durch bin, bleibt immer noch reichlich Süßes für Wespen und andere Insekten – die dann im August und September nicht über meinem Kuchen kreisen.


Zum Glück habe ich keine Spinnenphobie, die wohnen nämlich gern zwischen den Ranken. Vermutlich, weil sie ein geschütztes Insektenparadies bilden, ein Paradies für Spinnen also. Vögel finden das Gestrüpp als effektive Feindesabwehr natürlich auch gut. Die Beeren mit weißen Haufen darauf ernte ich nicht, aber die Spinnen schubse ich runter, da kenne ich nichts. Auf alle Fälle wandern die Beeren nach der Ernte noch einmal ins Wasserbad, damit allerlei Wanzen, Rüsselkäfer und Raupen das Schwimmen lernen.

Wanzen wohnen gern in Brombeeren. Im Wasserbad tauchen sie auf. Bei mir (nicht im Bild) sind es leider häufig auch Birkenwanzen, die entsetzlich stinken.

Wanzen wohnen gern in Brombeeren. Bei mir (nicht im Bild) sind es leider häufig auch Birkenwanzen, die entsetzlich stinken.


Ein typisches Problem bei Brombeeren ist, dass sie schubweise reifen. 500g der Sammelfrüchte hat man schnell zusammen, aber 1 kg für Marmelade wäre schon schön. Ganz praktisch finde ich es, die Früchte dann schichtweise einzufrieren. Hinreichend großes Gefäß, geerntete Schicht hinein, ab ins Gefrierfach. Frische Schicht auf die gefrorenen, wieder einfrieren. Hat man genug, können die (vorher gewaschenen) Früchte direkt in den Kochtopf wandern.

Ja, ich habe beim Sirup nicht ganz anständig abgeschäumt, aber das setzt sich sowieso. Das Klebeschild auf dem Brombeermarmeladenglas ist ein Restbestand aus einer Aufkleberbeigabe für Aktenordner.

Ja, ich habe beim Brombeersirup nicht ganz anständig abgeschäumt, aber das setzt sich sowieso. Das Klebeschild auf dem Marmeladenglas ist ein Restbestand aus einer Aufkleberbeigabe für Aktenordner.


Aus meinen Brombeeren habe ich dieses Jahr schon Sirup und Marmelade gekocht. Das Siruprezept ist im Grunde immer das Gleiche, wie hier bei den Erdbeeren. Marmelade birgt kein großes Geheimnis, das Rezept steht auf jeder Gelierzuckerpackung. Ein gutes Likörrezept hätte ich noch gern. Weitere Tipps sind gern willkommen!

(Sollte mir übrigens jemals jemand ein sinnvoll-schönes Geschenk machen wollen, das meine Unterarme effektiv schützt: Dieses hier ist es!)

04. August 2014 von Britta Freith
Kategorien: Garten, Rezept | 2 Kommentare

Gepäckservice auf dem Jakobsweg

Mal eine Pilgerreise machen. Auf dem Jakobsweg. Spätestens seit Hape Kerkelings “Ich bin dann mal weg” kennt den wenigstens jede und jeder hier in Deutschland. Und selbst die letzte Nuss rollt ihn jetzt offenbar lang. Egal wie hohl.

Puh.

Also, ich muss von vorn anfangen: Ich war heute Abend essen. Bei einem besseren Italiener, bei dem fast jede Pizza über 10 Euro kostet. Wir blieben da auf einer Radtour hängen, gefangen vom 2. heftigen Regenguss in Folge. Beim ersten Restaurant (Fischbrötchen und Darjeeling) hatten wir noch Panomarablick über einen gewitterumtosten See. Beim zweiten hatten wir weltbestes Panorama wohlsituierter Hamburger Speckgürtler. Und ja, ich lästere jetzt. Und nein, das ist nicht nett. Aber ich schreibe nur auf, was ich gehört habe.

Hinter mir, nicht in meinem Blickfeld, saßen zwei Mütter mit drei Töchtern. Die Töchter so 15-18? Keinesfalls älter. Alle fünf blond und langhaarig, alle fünf rauchten wie die Schlote und tippten in ihre Smartphones, die hin und wieder piepten. Von der Reibeisen-Stimme her dachte ich bei der einen Frau, sie sei mindestens 65. Bei näherem Hinsehen entpuppte sie sich als Mittvierzigerin. Bereits als wir uns setzten, war sie so betrunken, dass ihre Stimme dieses gewisse Schleifen hatte. Auch waren alle anderen am Tisch leiser. Wir erfuhren im Laufe des Abends:

Dass die Tochter neben der lauten Mutter natürlich abends, wenn sie losgeht, eine Flasche Wodka mitnehme. Das sei auch kein Problem, sie könne damit umgehen. Die Tochter neben ihr bestätigte dies. Man müsse wissen, wann Schluss sei. “Und wenn doch mal was passiert”, sagte das Reibeisen, “dann ist es eben so. Das gehört ja dazu. Da kann man nichts machen.”

Herangeführt worden an den Alkohol seien die beisitzende Tochter und noch eine abwesende Tochter während einer Reise. Da habe man nämlich gemeiert. Meiern ist ein Würfelspiel, bei dem es gilt, 42 Punkte zu erreichen und heftig zu bluffen. Die genauen Regeln kann man sicher googeln. Sie waren sich am Nachbartisch auch nicht ganz sicher, außer, dass es um heftiges Trinken geht. “Nach sechs oder sieben Tequilas”, lallte das Reibeisen, “hab ich gesagt: Nu is Schluss. Ich lass mich doch nich unter den Tisch saufen. Ich geh lieber ins Bett.” Ja, vielleicht war das besser.

Im Sommer, erfuhren wir weiter, hat das Reibeisen etwas vor. – Erwähnte ich schon, dass das Reibeisen übrigens immer diese fertig gemixten Cocktails zu Hause hat? Die seien ganz gut, erklärte es, die gebe es im Zehnerpack. – Aber zurück zum Vorhaben: Das Reibeisen möchte nämlich mit seinen Freundinnen Cindy und Conny auf den Jakobsweg. Das sei jetzt schon richtig geplant. Um Einkehr zu halten. “Aber ein Problem haben wir noch: das Gepäck. Wie sollen wir das alles tragen? Vielleicht nehmen wir uns Esel?” – Nein, das könne so doch nicht sein, meinte die andere Frau. Es gäbe doch sicher Gepäckservice. Das würde einem doch bestimmt transportiert. “Genau,” freute sich das Reibeisen. “Das organisieren doch die Hotels. Und ich brauche auch ein anständiges Bett, nach dem ganzen Gepilgere. Ich schlafe bestimmt nicht mit 500 anderen in einem Saal! Und abends den guten Wein, den wollen wir dann schon haben.”

Ja, so ist er, der Jakobsweg.

05. Juli 2014 von Britta Freith
Kategorien: Arbeitsalltag | 2 Kommentare

Schaf und Schwein

Ich habe meinen Schreibtisch aufgeräumt. Diesmal gründlicher als sonst, ohne Entschuldigungen, dass ich für dies und das keine Mappe habe. Die Prämisse war: alles muss weg, das keine Schreibtischbestimmung hat. Aber was ist mit diesem Schaf?

Schaf

Es hat drei Beine, so ein Billigteil, wie Kinder es als Belohnung beim Zahnarzt bekommen. Ich weiß nicht, wie es auf meinen Schreibtisch gelangte. Gesprungen ist es wohl nicht, mit nur drei Beinen. Ob ich mal eins ankleben wollte? Weiß ich nicht mehr.

Weil ich so unglaublich konsequent bin, wollte ich es erst wegschmeißen. Aber es tat mir Leid. Ich habe Netzwerkkolleginnen gefragt, was sie tun würden. Die Tipps reichten von in die Mülltonne bis in einen Bilderrahmen tun. Oder auf dem Blog verlosen. Soweit kommt es noch.

Es darf jetzt hier stehen bleiben. Ganz ohne Grund. Durch die Option es zu verlosen, hat es plötzlich einen ganz besonderen Wert. Schließlich ist es ein Gewinn – wenn ich es will. Auf dem Baumstamm im Beet steht schließlich auch das Schwein, das ich dort beim Umgraben gefunden habe. Das hat auch keinen Grund. Oder eben doch.

Schwein

25. Juni 2014 von Britta Freith
Kategorien: Arbeitsalltag, Garten | Schreibe einen Kommentar

Schlohweiß

Früher wohnte ich mit einem älteren Herrn im Haus, der immer sehr elegant war. Hemd, Krawatte, Anzug – und bereits schlohweißes Haar, als er tatsächlich noch ein älterer und kein alter Herr war. Ein Herr war er jedoch immer. Er war ausgesprochen höflich, grüßte freundlich und verteilte zu Ostern Schokoladeneier an die Kinder aus der Siedlung. Abends war er häufig unterwegs: Er hatte mehrere Abos für Oper und Theater. In den ersten Jahren fuhr er noch mit einem gepflegten weißen Audi zum Einkaufen. Später stand der Wagen in der Garage; er bewegte ihn nicht mehr. Er war nicht nur ein eleganter und höflicher, sondern auch ein sehr umsichtiger alter Herr. Denn als er diese Entscheidung traf, war er dem „älterer“ schon entwachsen.

Er ging nicht mehr ganz so oft ins Theater und in Konzerte, wenn auch raschen, entschlossenen Schrittes. Erst lag es an seiner kranken Frau. Nachdem sie gestorben war, ging er weniger, weil er selbst nicht mehr ganz so konnte. Außerdem hatte er viel um die Ohren: Schließlich war er im Kirchenvorstand, besuchte Vorträge und traf sich mit Freunden. Seine Theater- und Konzertkarten verschenkte er öfter in der Nachbarschaft, gerne an Familien mit Kindern.

Wir zogen aus der Siedlung fort, aber ich sah den Herrn mitunter auf dem Weg zur U-Bahn. Irgendwann erkannte er mich nicht mehr. Ich hatte die Haare anders und bestimmt konnte er nicht mehr so gut sehen. Das lässt ja nach, wenn man alt wird. Er wurde immer kleiner und sein Rücken ein bisschen rund. Aber die Anzüge saßen korrekt, Haltung und Frisur waren einwandfrei.

Später hörte ich, dass er gestorben war. Eine Nachbarin hatte ihn zum Ende versorgt. Es sei da nicht mehr so gut gegangen, es kam wohl auch ein Pflegedienst. Ganz einfach war das sicher nicht, schließlich wohnte er im zweiten Stock ohne Fahrstuhl. Wahrscheinlich konnte er nicht mehr raus.

Heute sitzt mir in der U-Bahn ein älterer Herr gegenüber. Er hat schlohweißes Haar, ist aber noch nicht alt. Nur fast. Er trägt einen Anzug und eine Krawatte. Und er hat Haltung. Diese bestimmte, edle.

24. Juni 2014 von Britta Freith
Kategorien: Fensterblick, In der U-Bahn | 4 Kommentare

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