Einseitige Gespräche (7)

Nicht immer weiß man in der U-Bahn, worum es geht. Besonders nicht, wenn der Telefonierende zwar vom Alter (+/-30), aber sonst gar nicht einzuordnen ist. Ich habe wieder mitgeschrieben.

Was geht, hab keinen Bock mehr zu schreiben.
Wieso, was war denn los?
Ja
Mh
Ja, O.K., jaja, ist zu spät, glaub ich, bei dir.
Ja
Auha
Ja
Ja JA
Was?
Ja, ich weiß. Ja, ich weiß. Sowas kenn ich.
Ihr habt was?
Ja, dann (Verb, verrauscht) ihr wieder.
Ja, ja ja.
Ja
Ah
Ja
Jahha
Ohja, hab ich auch, jeden Tag.
Ja
hrmrm
Ja, kann sein, dass ihr dir Rolle falschrum drin habt. Ja. Dann auf jeden Fall, ja.
Ja
Ja
Ja
Jaa

Ja, auf jeden Fall, hatte ich öfters, dass ich dachte, ich geb dir jetzt einen Euro und dann ist Schluss.

Ja, x ist ein hartes Pflaster.

Ja, ich weiß.

Das Schlimmste ist ja nicht, wenn sie alles mitnehmen, aber wenn sie dir 5 Cent dadrin lassen.

Digger.
Geil.
Drauf geschissen, Alter.

Musst mal gucken, ob du zum S.-Platz kommst, musst du mal nachfragen. Ich glaub, da ist jetzt auch Krise gerade, musst du mal nachfragen.

Oh, N. ist ganz scheiße, da hast du auch mega Action.
Ja

S.-Platz ist echt chillig.
Da kriegst du’n iPad und kannst auch was für die Uni machen, das ist echt sauber.

Ja, ok.
Ja, ist echt kacke.

Das Ding ist, ich hab neulich gesehen, es gibt von Te[-lefonanbieter] so einen vertrag, da kannst du alle Hotspots mitbenutzen, da sind immer auch in Telefonzellen, auch L. und S-Platz. Da sind immer Hotspots, das ist echt chillig. Das ist wie Wlan jetzt.

Ja.
Ja, ok.
Solche muss es aber auch geben, sonst wäre der Job nicht zu ertragen.

Jo, sonst arbeitest du die ganze Zeit an so einer Scheiße…

(steigt aus)

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Weitere einseitige Gespräche gibt es hier.

27. Januar 2015 von Britta Freith
Kategorien: In der U-Bahn | 2 Kommentare

Lieber die Moderne statt Kate küssen

Ich war im Musical, noch dazu in Kiel. Beides mache ich sonst nicht, denn ich bin kulturell eine arrogante, progressive Großstädterin mit Geschmack.* Wenn ich im Theater etwas nicht aushalte, gehe ich raus. Ich nörgle und benehme mich eklig usw. usf. Außer, ich führe eine alte Dame aus, die gern mal wieder Kiss me, Kate sehen möchte. Dann bleibe ich natürlich.

Immerhin waren die Dame und ich uns in Teilen einig: ziemlich viel Klamauk und ganz schön verstaubt. Für die, die es nicht mehr kennen: Kiss me, Kate ist ein Musical von Cole Porter, das mal sehr beliebt war. Evergreens wie Schlag nach bei Shakespeare, Wunderbar oder Viel zu heiß erfreuten früher gemischte, sangesfreudige Skatrunden und Heinz Schenk.

Das Erlebnis in Kiel hätte ich für mich behalten, wäre das Theater nicht ausverkauft gewesen. Das ist ja an und für sich gut, ich mag ausverkaufte Häuser. Juchu! Aber in diesem Fall… sehr schaler Beigeschmack. Das Stück ist altmodisch inszeniert. Ein Historienschinken auf der Bühne, wenn man es gut meint; reaktionär, wenn man ein Wort bemühen möchte, das auch die Skatrunde oben versteht. Spießig. Altmodisch. Frauenfeindlich.

Soweit, so historisch. Das Problem dabei: Die Zuschauer waren nicht nur Herrschaften jenseits der 70, sondern offenbar wurden busseweise Jugendliche in dieses Musical gekarrt. So um die 14, mit artig gekämmten Scheiteln und mindestens Sakko wenn nicht gar im kompletten Anzug mit Krawatte. Der Mann an meiner Seite behauptete “Louisenlund“, aber ob das so ist, weiß keiner von uns. Ist im Grunde auch egal, aus ganz schlechtem Haus kamen die jungen Herren jedenfalls nicht, das war zu sehen. Es gab auch junge Damen, die reichlich aufgerüscht waren – ich bin in dem Alter immer in Jeans ins Theater geschlurft, weil gesellschaftspolitisches Statement und so. Tschuldigung, ich schweife ab.

Da sind also diese jungen Menschen (ich bin gerade gefühlt drei Altersplaneten von ihnen entfernt) und gucken sich diesen gequirlten Dreck an. Mit Frauen, die übers Knie gelegt werden, wenn sie nicht spuren, die reich heiraten wollen, die den Beruf aufgeben müssen, wenn sie an “seiner Seite” bleiben möchten – und die dann doch den verwegenen Kerl nehmen, der sie betrügt und ein eitler Fatzke ist, aber er ist doch ein Kerl.

Alle tragen Kostüme wie Marika Rökk, wackeln ein bisschen mit dem Hintern, glucksen oder kichern, dürfen sogar eine Runde rumschreien – und ich denke an meine Kindheit und dass ich Musikantenstadl bis heute nicht gucke, aber alle anderen außer mir offenbar schon.

Wer sind nur die Verantwortlichen, die das diesen Jungs (und Mädchen) antun? Den Mädchen ist zugute zu halten, dass einige von ihnen nach der Pause später kamen, die Jungs saßen schon artig – und die Erzieher? Keine Ahnung. Wenn sie Geist hatten, waren sie sich besaufen gegangen. Vermutlich aber haben sie geklatscht.

Wie soll sich unsere Gesellschaft nur je grundlegend ändern, wenn Theater derartiges ohne einen Hauch von Distanz oder Deutung zeigen und Teenager hineingeschafft werden? Gibt es noch so etwas wie einen kulturellen Auftrag, wie künstlerische Scham? Ich glaube nicht, dass die Schülergruppen gerade die Unterrichtseinheit “Spießertum und Dorftheater” hatten. Die nahmen das ernst. Und ich sehe das und bekomme Angst um dieses Land. Sehr große.

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* Bitte an dieser Stelle den ironischen Unterton beachten

27. Januar 2015 von Britta Freith
Kategorien: Medien, Meinung, Stilkritik | Schreibe einen Kommentar

Einseitige Gespräche (6)

In der U-Bahn habe ich erfahren, dass auch andere sich die Schultern auskugeln.* Zum Beispiel der Sohn einer graumelierten, lockenhaarigen Frau von ca. Mitte-Ende 40. Sie redete sehr laut ins Telefon.

Hallo C. Ja, ich hab das Gefühl, wir telefonieren immer aneinander vorbei.
Ah.

Ach Gott, das ist ja schon verjährt.

Ich hab mir schon gedacht, ihr wart ja unterwegs. Das hält sich ja. Kann man später mal verschnokern.

Und, wie gehts euch? Stressig wegen Baustelle, mh.

Wie jetzt?

Kann ich bestätigen, mein Sohn hat einen Silvesterböller geworfen und sich auf U. die Schulter ausgerenkt. Der war auf einer Fete auf U. und hat sich die Schulter ausgekugelt. Ja, da kriegte ich einen Anruf, J. ist im Krankenhaus…

Das ist fast noch schneller als deine Bande

Ja, so ist das.

Im Moment hat J. eine Fußphase, denn er muss erst seine Prüfung machen und dann [Rauschen].
Wir werden erst im im Februar wieder nach S. fahren.

Du scheinst ja auch ziemlich im Stress zu sein. Wenn du da Zeit hast, können wir ja am Wochenende mal telefonieren. Wenn du da deine Kopierei feritig hast. Ich meine, weil P. jetzt fertig ist mit Kopieren, dann wollt ihr bestimmt weiter machen. Dann schönen Abend dahinten, und Grüße noch. Tschühüß.

[seufzt laut]


*Ich habe mir Weihnachten die linke Schulter ausgekugelt, weil ich die Treppe hinuntergefallen bin. Es war sehr schmerzhaft, ist langwierig und nervt. Eine Fußphase habe ich auch – falls das bedeutet, dass ich alles zu Fuß mache. Jedenfalls kann ich weder Auto noch mit dem Rad fahren.

23. Januar 2015 von Britta Freith
Kategorien: In der U-Bahn | 2 Kommentare

Kekse gehen immer

Man braucht sie unbedingt. Spätestens, wenn Kaffeebesuch am Tisch sitzt. Oder wenn überraschend Kinder kommen. Oder man schnell ein Mitbringsel mit Ah-Effekt haben möchte: selbstgebackene Kekse. Plätzchen taugen nicht nur zu Weihnachten. Nicht erst, seitdem wir sie auch Cookies nennen, gehen sie das ganze Jahr über. Als Cookies sogar so groß, dass man sich mindestens eine normale Mahlzeit sparen kann. Die Amis eben wieder. (“Could you please say ‘biscuits'”, bittet mich mein irischer Freund immer. Er ist auf Diät.)

Damit ihr die Schokostücke besser erkennt, habe ich vor dem Backen noch Schokotropfen auf die Kekse gedrückt. Daher sind sie hier so deutlich zu sehen.

Damit man die Schokostücke besser erkennt, habe ich vor dem Backen noch extra Schokotropfen auf die Kekse gedrückt. Daher sind sie hier so deutlich. Ansonsten sind es gänzlich unspektakuläre Kekse.


Mürbeteig bereiten, dazu Nüsse, Mandeln, Pistazien in verschiedener Form verwenden, vielleicht noch geriebene Orangenschale und gehackte Schokolade dazu, fertig ist der Allzweckkeks. Zum Beispiel so:

250 g Butter (gewürfelt, geht besser)
100 g brauner Zucker
100 g gemahlene Mandeln
100 g gehackte Mandeln
100 g gemahlene Pistazien
100 g Mehl
1 Ei

Alles verrühren/verkneten, bis ein halbwegs fester, aber doch noch sehr fettiger Teig entstanden ist. Es kommt bei den Mengen nicht so drauf an: Bei mehr Fett verlaufen die Kekse halt stärker. Die Zutaten hier sind die der Kekse auf dem Bild.

Ofen auf 150-170 °C vorheizen, bei Umluft die niedrigere Temperatur wählen. Mit zwei Teelöffeln etwa walnussgroße Häufchen aufs Backblech (mit Backpapier) geben. Mit feuchten Fingern die Plätzchen ein bisschen flachdrücken. Wer perfekt runde Kekse haben möchte, kann auch mit feuchten Händen Kugeln formen und diese plattdrücken. Ein prima Geschmiere! Alternativ den Teig kaltstellen, zu einer Rolle formen und Scheiben abschneiden.

Achtung beim Backen! Viele denken immer noch, Mürbeteigplätzchen müssten hart werden. Falsch. Frisch gebacken sind sie weich, sie härten erst später aus. Darum nur so 8-12 Minuten im Ofen lassen. Der Rand darf nur minimal braun sein. Ist der ganze Keks dunkel gebacken, schmeckt er wahrscheinlich verbrannt.

Ich variiere den Grundteig gern in Etappen. Erste Etappe so wie oben. In die zweite gebe ich zusätzlich Orangenschalen oder einen Schuss Rosenwasser. In die dritte dann Schokostücke. So werden die Plätzchen immer reichhaltiger.

Muss ich nochmal extra sagen, dass man auch nur Mandeln oder auch Haselnüsse nehmen kann? Ja, rein Pistazien geht auch. Und wer das alles nicht hat, weicht auf Butter, Zucker und Mehl aus. Man darf sogar das Ei weglassen! Wird schon was, schmeckt nur anders. :)

18. Januar 2015 von Britta Freith
Kategorien: Rezept | 3 Kommentare

Je suis Charlie

ich bin charlie

Cartoonisten antworten auf die Charlie-Hebdo-Morde.

07. Januar 2015 von Britta Freith
Kategorien: Meinung, Nachtgebet, Politik | Schreibe einen Kommentar

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