Warum Apotheken vielleicht doch sterben werden

Glücklicherweise muss ich kaum in Apotheken. Ich bin eher der gesunde Typ. Und da ich es nicht einsehe, teure quellwasserhaltige Crèmes oder andere Kosmetika zu kaufen, sieht mich die Apothekerin bei mir um die Ecke eher selten. Nein, sie sieht mich genau nur, wenn ich Nasenspray brauche. (Ich nehme immer das für Kinder.) Alle anderen Dinge würde ich nie in “unserer” Apotheke kaufen. Für die durchschnittlichen fahre ich einen Stadtteil weiter, für die prekären etliche. In die Anonymität, in der mich niemand kennt. Denn Apotheke ist so:

“Guten Tag”
[ab hier unterdrückte Stimme, ablenkendes Wedeln mit einer unverfänglichen Salmipackung]
“knntn S mr btt ds Fßplzmttl gbn?”

oder wahlweise auch

[Stummes Hinüberschieben eines Rezepts, über das man nicht reden möchte.]

Der gute Apotheker oder die sensible Apothekerin verfällt ab diesem Punkt bitte in genau denselben Duktus. Ich brauche keine Kommunikation. Ich will das Zeux da, bitte, danke, braune Papiertüte, ich bin schon weg. Leider ist diese Art der Apothekenmitarbeiter im hiesigen Teil der Welt unbekannt. Oder ausgestorben. Oder beides.

“SIE HABEN SCHON ERFAHRUNG MIT DEM PILZMITTEL?!
– FRAU FREITH???!”

Ja, danke, liebe Mitwartende, wussten Sie übrigens, mein Name ist Freith, ich habe auch eine Website, da können Sie mein Bild…
Darf ich Ihnen meine Karte…?

Alternativ stehe ich dort mit meinem Rezept vor diesem kleinen Plexiglas-Tellerchen, unter dem Pinzetten oder Insektenschutzmittel zur Werbung dekoriert sind. Neben mir steht ein anderer Kunde vor ebenso einem Plexiglas-Tellerchen. Wir berühren uns fast. Immerhin werden wir individuell bedient, nachdem wir eine Weile hinter der gelben Linie gewartet haben, neben der das Schild “Privatsphäre achten!” steht. Der andere Kunde ist mir sehr unsympathisch. Besonders, weil er versucht, auf mein Rezept zu schielen. Und auf die Packungen, die mir der Apotheker schnell hinüberschiebt und dazu “und noch dies hier” murmelt. Der andere Kunde versucht unauffällig (überhaupt nicht unauffällig, du Sack!) die Schrift auf meinen Päckchen zu lesen. Ich wende mich zu ihm und spreche ihn freundlich an:

“Hatten Sie schon mal eine Analfissur? Echt unangenehm. Und eine schwarze Haarzunge erst! Nun ja, was soll man machen. Es kommt, wie es kommt. Setzen Sie sich bloß nie auf kalte Steine: Das gibt Hämorrhoiden. Schönen Tag noch!”

Entwaffnet hält der Herr vom Nachbar-Plexiglastellerchen mir die Apothekentür auf. Wir heiraten dann drei Jahre später.

NEIN, natürlich nicht. Ich trete dem Typen auch nicht vors Schienbein. Er kann nichts dafür, dass er eine gesunde Neugier hat und außerdem diese äußerst langwierige Nasennebenhöhlensache. Hat er sich ja nicht ausgesucht.

Ernsthaft, wann kommen in Laden-Apotheken endlich schallgedämpfte Bedienkabinen? In denen ich alles in Ruhe bekommen und fragen kann, ohne dass meine Nachbarn jedes Wort mithören. Und ohne dass ich mithören muss, dass meine Nachbarn allerhand Leiden haben, von denen ich nichts wissen will.
Wenn die Apotheken nicht bald auf diesen Trichter kommen, bestellen alle Leute nur noch online. Das liegt nämlich nicht an den Preisen. Das liegt an der Privatsphäre. Für mich jedenfalls.

25. September 2014 von Britta Freith
Kategorien: Meinung, Stilkritik | 13 Kommentare

Wandern und schreiben – das Interview

Ich schreibe gern draußen. In jeder meiner Taschen liegt ein Heft zum Vollschreiben. Kein Wunder, dass mir das Angebot „wandern & schreiben“ so gefällt. Zwei Netzwerkkolleginnen von mir haben es sich ausgedacht.

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Dorothee Köhler und Sibylle Mühlke sind ebenfalls Texterinnen, und sie wandern gern. Ihre Idee: Warum bieten wir nicht Workshops für Menschen an, die schreibend wandern (oder wandernd schreiben) und sich dabei ein Stückchen besser selbst kennenlernen. Ich habe mich mit den beiden darüber unterhalten – leider diesmal nicht im Wald, sondern per Skype: Sibylle (S) in Berlin, Dorothee (D) in Mannheim, ich in Hamburg. Hier ein Selfie der beiden, als sie mal zur Vorbereitung zusammenhockten:

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Einen Auszug aus dem Interview habe ich abgetippt, garniert mit einigen Fotos, die mir die beiden zur Verfügung gestellt haben. Normalerweise existieren von den Workshops keine Bilder, weil die Atmosphäre persönlich bleiben soll.

Das komplette Interview gibt es als Audio (ca. 17 min.). Das war erst nicht so geplant: Ich hatte das Interview nur mitgeschnitten, um nicht mittippen zu müssen. Aber dann war es so schön, und ich bin nur noch ein bisschen ordnend drübergegangen. Wer alles genau wissen will, hört sich bitte unbedingt das gesamte Gespräch an. Wir haben keine besonderen Mikros benutzt, bei mir war es das eingebaute Mikro meines Laptops. Normalerweise hätte ich einen größeren technischen Aufriss gemacht. Aber ich finde, es geht auch so ganz gut. Und ich kann mir vorstellen, es wieder zu tun.

 

 

Zunächst natürlich die Frage, die auf der Hand liegt: warum?

(S) Wir mögen das selber so gern, draußen rumzulaufen.

(D) Wir haben uns auf einer unserer gemeinsamen Wanderungen überlegt, wie wir das draußen Rumlaufen und das Schreiben miteinander verbinden können. Wanderführer schreiben oder so kam nicht infrage für uns. Da hatten wir die Idee, andere Leute schreiben zu lassen. Und Sybille hat erfahren, dass es eine Weiterbildung gibt, in der man genau das lernen kann. Wir sind nach der Ausbildung zertifizierte Leiterinnen von persönlichkeitsbildenden Schreibwerkstätten.

Wie aufwändig ist denn diese Ausbildung?

(S) Das ist im Fritz-Perls-Institut in der Nähe von Wuppertal. Die Ausbildung geht über zwei Jahre. Es gibt eine Grund- und eine Aufbaustufe, das sind jeweils vier Module. Dann machen wir noch ein paar Extrakurse.

(D) Insgesamt sind es acht mal vier Tage, dann kommt die Prüfung obendrauf und ein Psychopathologie-Seminar, das auch noch einmal drei Tage geht.

(S) Die Supervision sind auch nochmal drei Tage.

Aber am Wichtigsten ist den beiden die Idee:

(D) Das, was wir selber als so schön erleben, draußen unterwegs sein, in sich gehen, auf Gedanken kommen und Ideen weiterentwickeln: Das wollen wir weitergeben. Die Kombi aus Bewegung und Selbstreflexion ist einfach unschlagbar. Dass man geläutert zurückkommt. Von einem Tag, von mehreren Tagen, und einen aufgeräumten Kopf und eine entspannte Seele hat.

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Liegt der Fokus für euch eher auf der Selbsterfahrung oder auf dem Schreiben?

(S) Um berufliches Schreiben geht es dabei am allerwenigsten. Wir begrüßen alle Leute in unseren Workshops, gerne auch die, die überhaupt noch nie geschrieben haben. Oder die mit einem gespaltenen Verhältnis zum Schreiben, weil sie zum Beispiel ein Schultrauma haben. Davon gibt es eine ganze Menge. Der Fokus liegt auf dem Schreiben zum Entdecken des Selbstausdrucks, auf der Reflexion.

(D) Was wir gar nicht machen ist literarisches Schreiben. Es geht nicht drum, Texte zu schreiben an denen wir mit den Teilnehmern weiterarbeiten.

Ich habe es so verstanden, dass die Texte privat bleiben. Dass sie nicht vorgelesen werden…

(D) Die Texte werden vorgelesen in der Gruppe. Aber das ist kein Muss. Jeder darf zu jedem Zeitpunkt selbst entscheiden, was er vorliest und wann er vorliest.

(S) Das Vorlesen ist schon ein toller Teil des Prozesses. Man schreibt da ja über Sachen, die einem relativ nah sind, und wenn man das dann vorträgt und sieht, dass andere Leute das teilen, ist das sehr bereichernd.

(D) Wichtigste Regel ist: Diese Texte werden nicht bewertet. Das ist sehr wohltuend. Denn wir sind ja in allen Bereichen der Gesellschaft gewohnt, Dinge zu bewerten und einzusortieren und bewertet zu werden. Da ist immer auch ganz viel Abwertung dabei. Jeder Mensch hat ja auch Angst davor. Das soll es in diesen Workshops nicht geben.


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Wie fit muss ich für eure Workshops sein? Ich selbst bin total lauffaul, ich fahre lieber Rad. Schaffe ich das Wandern dann?

(S) Wir haben noch alle auf den Berg hochgekriegt! Leute mit normaler Fitness können mitkommen. Wir wandern auch gar nicht so große Strecken, wir sind relativ langsam unterwegs, weil wir zwischendurch immer Schreibpausen einlegen. Unsere Touren sind zwischen 7 und 10 km höchstens, verteilt über einen ganzen Tag. Das Tempo ist nicht rasant.

Wie läuft eine typische Veranstaltung ab?

(D) Bei einem eintägigen Workshop gibt es am Ausgangspunkt eine Anfangsrunde von einer Stunde mit Begrüßung, Vorstellung und einem ersten Schreibimpuls. Dann wird ein Stück gegangen, dann gibt es an einem geeigneten Platz einen nächsten Schreibimpuls, eine kleine Reflexionsrunde, und das machen wir unterwegs an zwei bis drei Stellen. Eine Stunde vor Schluss machen wir eine Abschlussrunde, wieder in dem Schreibraum vom Ausgangspunkt.

(S) Wir suchen die Wege relativ sorgfältig aus und suchen Schreiborte, an denen man gut sitzen kann, wo es schön ist. Die Landschaft ist ein wichtiger Akteur in dem Workshop. Wir haben jetzt einige Schwerpunktgegenden in der Märkischen Schweiz bei Berlin und in der Pfalz, aber wir könnten überall hinkommen.

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(D) Die märkische Schweiz ist eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch.

(S) Kleinteilig und auch so abwechslungsreich. Auf den relativ kurzen Strecken sehen die Leute unterschiedliche Landschaftsbilder. Das ist auch ein Naturschutzgebiet. Es ist ganz großartig da.

Bisher überwiegen Frauen von 45-55 unter euren Teilnehmern. Das liegt sicher auch an euren ersten Ansprechpartnern – ihr habt ja in diesem Jahr richtig gestartet. Aber ihr wünscht euch ein größeres Spektrum.

(D/S) Alle sollen kommen! Wir würden das gern auch mit jüngeren machen. Auch supergerne mit gemischten Gruppen und Leuten, die einen etwas komplizierten Zugang zum Schreiben haben. Denn auch wenn wir da kein Schreibcoaching machen, durch die Erfahrung des lockeren Schreibens ändert sich der Bezug zum Schreiben total. Das merken wir auch bei uns selber. Wir haben einen viel leichteren Zugang. Das stundenlange Kreisen um den Schreibtisch ist fast weg.

Habt ihr besondere Ereignisse, die deutlich machen, warum ihr wandern und schreiben so sehr liebt?

(D) Es ist immer der schönste Moment, wenn die Teilnehmer ihre Texte vorlesen. Jetzt bewerte ich das doch mal: Diese Texte sind immer so tief, zeigen so viel… Es ist auch oft so, dass Tränen fließen. Die Rührung ist nicht nur bei uns, sondern auch bei den Teilnehmern. Das sind die Momente, in denen ich denke: Genau so muss es sein!

(S) Geht mir ähnlich. Ich finde es toll, wenn die Leute neuen Zugang zu ihren Themen finden und Erkenntnisse mitnehmen. Ich finde es aber auch ganz toll, wenn sie in der Natur verteilt rumsitzen und ihre Sachen schreiben.

(D) Wenn sie im Wald sitzen, auf dem Boden oder auf dem Baumstamm, im Laub rascheln und in den Himmel gucken…

(S) Sehr konzentriert dabei sind.

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Wenn jemand in der Gruppe weint, das könnt ihr auffangen durch eure Ausbildung.

(D) Da gibt es einige Interventionstechniken. Aber meist ist es so, dass es o.k. ist. Es kommt zu Gefühlsausbrüchen, aber das ist nicht so, dass dadurch der Workshop auseinanderfliegt oder jemand nicht weitermachen kann. Es ist halt wichtig, dass wir als Leiterinnen ein Gespür dafür haben, was als Intervention angesagt ist.

(S) Man kann einfach sein, wie man gerade ist. Es ist auch nicht seelenstripteasemäßig. Es ist auch oft sehr still. Vielleicht steckt sich mal jemand ein Tränchen ins Knopfloch. Aber es gibt nicht ständig Heularien. Stille Rührung ist eher anzutreffen. Und wir tun auch ganz viel dafür als Leiterinnen, dass die Gruppe sich als Gruppe zusammenfindet. Auch, wenn es nur Tagesworkshops sind. Ich steh dann nicht mehr mit wildfremden Menschen im Wald und lese Texte, die ich selbst geschrieben habe und die mich sehr berühren – das ist dann nicht mehr so, weil man sich wirklich wohlfühlt und gut fühlt mit den anderen Leuten, die da mit im Wald sind. Das klappt doch immer wieder gut.

(D) Wirklich sehr schön war, als wir in Buckow auf freiem Feld von einem Gewitter überrascht worden sind. Das hat uns mit einer derartigen Geschwindigkeit eingeholt, dass wir es nicht geschafft haben, uns vor dem großen Guss ins Trockene zu bringen. Wir sind dann durch den strömenden Regen sehr schnell geeilt bis zum Fledermausmuseum auf dem Julianenhof, wo uns die Museumsmitarbeiter sehr nett in Empfang genommen haben. Obwohl wir bis auf die Haut nass waren, durften wir rein und die haben uns einen Kaffee gekocht. Ich dachte, das war’s jetzt, jetzt wollen alle nach Hause. Stattdessen haben sie ihre nassen Jacken über den Zaun gehängt, saßen da mit tropfenden Haaren und fragten: „Und was schreiben wir jetzt?“ Wir haben bei diesem Workshop gelernt, dass wir niemanden mehr ohne Regenjacke mitnehmen.

(S) Aber wir haben zur Not auch immer einen Plan B in der Tasche: Abkürzungen, wetterangepasste Schreibimpulse.

Wie sieht so ein Schreibimpuls aus?

(S) Meist ist das ein Text, den wir lesen. Das kann ein kurzes Gedicht sein. Beim letzten Mal hatten wir auch einen naturkundlichen beschreibenden Text zu dem Tal, durch das wir gegangen sind. Dann geben wir dazu noch eine kleine Schreibanregung.

(D) Das kann man natürlich gut anpassen auf die Gegend oder aufs Wetter. Wir haben zum Beispiel immer ein Regengedicht dabei.

Unknown

Nochmal sicherheitshalber, für alle, die den Link in diesem Text nicht gefunden haben: www.wandernundschreiben.de lautet die Webadresse. Dorothee und Sibylle geben die Workshops natürlich auch individuell angepasst und auf Bestellung.  Eine Terminliste mit den nächsten feststehenden Veranstaltungen gibt es auch.

24. September 2014 von Britta Freith
Kategorien: Fensterblick, Kreativ sein, Lernen, Podcast, Reisen, Rezeptionsbefehl | Schlagwörter: , , , | 2 Kommentare

Einseitige Gespräche (5)

Lautes Telefonieren heute Morgen in der U-Bahn. Quasi neben mir. Natürlich habe ich mitgeschrieben.

Frau, überschulterlange, blonde, offene Haare, extrem laut, bunte Messenger-Bag. Ich sehe sie erst nur von der Seite und schätze sie auf 40-50. Erst als ich aufstehe, stelle ich fest, dass sie ein gutes Stück älter sein muss – und sie ist lange nicht so aufgetakelt, wie ich von der Stimme her dachte.

Hallihallo, na, was für eine Überraschung! Na, kommste nachher?
Um 4 machen wir eine Abteilungsversammlung – na, hatte ich dir gemailt.
Eigentlich zu nichts.
Ja, können wir mal machen. J. ist da auch dabei.
Wir haben ja nichts.
Na, schauen wir mal, wie es so wird.
Ja, guck doch mal.

Und sonst?
Ja
Mh
Ach
Ja
Vielleicht sehen wir uns dann.
Ja, ja, das können wir gern machen. Ich weiß jetzt gerade nicht auswendig, ob ich da was mach… aber dann können wir ja mal was zusammen, vielleicht ein Eis essen.
Ja, oder was Richtiges.
Neulich bin ich mal nach alter Manier in die Lange Reihe gegangen und habe mir ein Eis geholt und mich an die Alster gesetzt. Das war mal wieder schön. Wie früher.

Eigentlich bin ich ja ganz froh, dass ich nicht mehr den ganzen Tag im Büro sitzen muss. Aber einige sitzen natürlich trotzdem den ganzen Tag da herum. Aber mit denen möchte ich mittags natürlich nicht unbedingt was essen.

Ja, ich komm viel rum. Eben war ich noch beim Zahnarzt, jetzt muss ich nach V., und dann
sausebrause nach G. fahren

Ich kann dir sagen!
Morgen, übermorgen ist auch noch mal heftig, da habe ich acht Veranstaltungen. Das ist schon ne ganze Menge, ich kann dir sagen. Die meisten haben jetzt Urlaub. X ist auf Seminar, da kann er ja nun nichts für, das ist ja auch gut. Na, dann ist A noch da und B – und dann noch C, das war’s. Und dann ist da noch eine Neue, die [U-Bahn-Lärm]
Nee, die ist gewechselt. Die war lange krank und hat dann in H. wieder angefangen, bei Herrn G. Das gefällt ihr auch ganz gut.

Ja, bei euch wird es immer weniger an Personal hab ich den Eindruck, oder?
Ja.
Früher.
Mhh.
Mhh.
Nö.

Ja, alles klar, verstehe. (Lacht.)
Nee, aber gefühlte Abwesenheit.
Nee, die war ja… ja. Ist ja egal, wurst.
Aber in der pädagogischen [Lärm] seid ihr ja auch ganz gut besetzt.
Ja, klar.

Äh. Moment, jetzt muss ich mal…
Ach, ich weiß, T. Jahahah. (Lacht.)
Hast den schon einmal arbeiten sehn?
Oh nein, oh Mann.
Mh.
Oh.
Echt anstrengend.

Das ist, glaube ich, nicht lustig.
Du, vielleicht.
Mh.
Ja.
Der ist k.o. von seinem Nebenjob, ganz einfach. Hat den Abend vorher so viel gearbeitet. Wär ich auch ko.
Natürlich nicht. Aber das sind so die Pappenheimer.

Und dein spezieller Freund, von dem mal wieder was gehört?
Ich seh den ja immer noch in der U-Bahn. Der sitzt mir dann so schräg gegenüber.
Ja, da hat sich einiges getan, da sind einige geflogen.
Ich sag jetzt den Namen nicht, weil ich in der U-Bahn sitze.
Dass der sogar noch ne Abfindung mitgenommen hat! Und was für eine!
Ja, genau den meinte ich.
Und ich habe ihm geraten, die zu nehmen, denn er hatte ne fristlose Kündigung.
Warum auch immer.
Aber später hat er noch mal angerufen, ob doch nicht noch was anderes geht. Da hab ich ihm aber gesagt…. nee, dann hat er die genommen. Nun kann er auch nicht mehr klagen. Das ist gut für den Arbeitgeber.
War aber auch nicht viel. 2400. Zum Schluss war er halbtags da. 20 Stunden.
Kann ich dir ja alles mal in Ruhe erzählen.

Ja, ist gut, wünsche dir einen schönen Tag, (Männername). Bis bald!

23. September 2014 von Britta Freith
Kategorien: In der U-Bahn | 2 Kommentare

Die Flora in Köln

Kürzlich war ich in der Flora in Köln. Dieser Botanische Garten ist direkt neben dem Zoo und war lange geschlossen. Hingehen wollte ich ursprünglich, weil ich mir das neue Café dort angucken wollte, das Dank Augusta. Ein Café in dem man Picknickkörbe bekommt, klang genau nach meinem! (Es war dann etwas weniger zünftig, als gedacht, dafür aber ausgezeichnet von der Qualität her – kann ich also empfehlen.)

Das

Die Flora liegt auf der linken Seite des historischen Gewächshauses. Ideal, um erstmal nach rechts zu gehen und eine Runde durch den Garten zu machen.

 

Noch bis zum 30. September leben überall in der Flora verteilt Installationen von Christel Lechner. “Leben”, weil sie so wunderbar aktiv sind, und ich war ganz traurig, als ich heute erfuhr, dass ihre Alltagsmenschen nur vorübergehend dort wohnen. Aber im Winter wäre es wohl auch etwas kalt im Badeanzug… Ich finde, sie sollten bleiben – auch wenn sich angeblich viele über sie aufgeregt haben und gar nicht alle geplanten aufgestellt wurden. Das steht zumindest im Kölner Stadtanzeiger. Kann ich mir gar nicht vorstellen.

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Besonders die Waschfrauen finde ich genial! Obwohl die Figuren grob und karikaturhaft gearbeitet sind, wirken sie wie aus dem Leben gegriffen. Ein sehr interessanter Kontrast.

Noch einige Eindrücke aus dem Garten
(im Juli 2014):

Die Palmenallee, angeblich Deutschlands einzige. Wobei mein Begleiter (zurecht) anmerkte, was das wohl für eine Allee sein soll, bei der das Betreten (des Rasens) verboten ist.
Palmenallee

Viele Ecken sind natürlich gestaltet oder an natürliche Situationen angelehnt, wie z.B. die Bauerngärten. Es gibt auch Klimaregionen oder einen Schattengarten, Leben am Teich und im Gebirge. Naja, wie es halt in so botanischen Gärten ist.

bauerngarten

TEich

Seerose

weißer Sonnenhut

Eisen blau

Riesenseerose

 

Vom Rotspitzenzaun habe ich mich dann zu Hause inspirieren lassen. Im weitesten Sinne jedenfalls.
Vorbild:

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Und Fälschung:

Roter Zaun wir

 

Unter Glas

Dann fing es an, wie aus Eimern zu gießen. Wir flüchteten in die Gewächshäuser. Da bin ich ohnehin gern.

Die Goethea cauliflora wurde nach Goethe benannt und blüht (wie auch Kakao) aus dem Stamm. Das könnte man auch aus dem Namen lesen:

Goethea cauliflora

Ich weiß jetzt auch, dass das aus den Blumenläden Heliconia jaquinii heißt:

Heliconia jaquinii

Und dass jemand Vanda Rothschild besonders mochte, sagt der Name hierfür. Zartes Blümchen!

Vanda Rothschildiania

So, Rundgang zuende. Jetzt kommen wir von der Seite auf das frischrenovierte historische Gewächshaus zu – wie vom Haupteingang aus ist alles schön achsensymmetrisch. Und genau vor uns liegt jetzt das “Dank Augusta”. Benannt nach der Frau von Kaiser Wilhelm I., Augusta Marie Luise Katharina von Sachsen-Weimar-Eisenach. Sie hatte die Schirmherrschaft über Bau und Erhalt des botanischen Gartens. Im Hintergrund übrigens die Gewitterwolken, die sich kurz drauf noch einmal ziemlich deutlich entleerten.

Flora Köln

05. September 2014 von Britta Freith
Kategorien: Garten | 1 Kommentar

Ich habe einen Keks geklaut

Gestern feierte der Arche-Verlag in Hamburg seinen 70. Geburtstag. Das wäre für mich noch kein Grund gewesen hinzugehen, aber Pia Ziefle las aus ihrem neuen Buch (das ich wegen eines unfähigen Postboten noch nicht habe!) und das war die allerbeste Gelegenheit, sie endlich mal persönlich zu treffen. Online kennen wir uns schon länger. Ein weiterer guter Grund war, dass Gesa auch da war, und die mag ich gern. Außerdem hat sie auch schon über dieses Event geschrieben – dies ist nämlich ein Parallelposting.

Die Lesung war allerfeinst. Und das ist gut so, denn eigentlich mag ich keine Lesungen. Viele Autoren lesen nicht gut. Das ist auch nicht so schlimm, sie sollen ja schreiben. Aber weil ich nun mal gelernt habe zu lesen (Sprecherausbildung!), ist es für mich vielleicht noch anstrengender als für andere, schlecht gelesene Texte zu hören. Das ist dann oft schade, wenn die Texte nämlich gut sind, das nur komplett verloren geht. Mehr Sprech- und Lesetraining für Autoren also! (Fragt mich gern.)

Gestern habe ich keine schlecht gelesenen Texte gehört. Das war schön! Brittani Sonnenberg hatte als Amerikanerin zwar einen starken Akzent, aber sie hat fein betont und war überhaupt sehr sympathisch. Ihr Buch hat mich auch angemacht.

Heimflug

Pia hat eine enorme Bühnenpräsenz und muss sich wirklich gar keine Sorgen machen, dass sie schlecht rüberkommt. Ganz im Gegenteil. Dazu hat sie ein so ungeheures Wissen, dass… meine Güte. Recherchieren bildet enorm. Der Postbote soll sich bitte beeilen, damit ich nicht noch länger als sonst warten muss, denn sonst ist er nicht für immer mein Zusteller. So viel ist klar. Suna, den ersten Roman von Pia Ziefle, habe ich jedenfalls geliebt.

Länger als sonst ist nicht für immer

Meine Entdeckung des Abends war aber Michel Bergmann, dessen Lesegroupie ich werden könnte. Er schreibt super, er liest super. Reicht mir komplett. Leider konnte ich ihm nur beim Rausgehen Lob und Dank zuwerfen, während er telefonierte, ich hätte davor schon mit ihm reden sollen. Aber ich hatte mich mit Pia und Gesa festgequatscht. Immerhin freute er sich auch über diese nur im Wortsinn vorübergehende Anerkennung.

Alles was war

Verlags- und Literaturszene ist gar nicht meins, ich habe davon null Ahnung. Dennoch hat Ulrike Ostermeyer als noch fast neue Arche-Verlagschefin auf mich einen sehr angenehmen Eindruck gemacht, schon als Person wie ein frischer Wind. Ich kann mir vorstellen, dass sie einem Unternehmen gut tut.

Nahrung?

Aber nun zum Essen. Und zum Keks. Wie Gesa schon bei sich drüben beschrieb, hatten wir Hunger und wenig Zeit. Der Gastronomiebetrieb im Hamburger Literaturhaus heißt seit einiger Zeit Mercier und Camier und ist schlecht. Das möchte ich gleich auf den Punkt bringen. Einmal nach der Übernahme war ich dort frühstücken und schwor mir, dort nie wieder hinzugehen. Ich habe die Details verdrängt, aber es hatte nichts mehr mit den wunderbaren Frühstücken zu tun, die es früher im Literaturhaus gab. Teuer war es auch. Darum ahnte ich schon, dass ein Abendessen dort keine helle Freude wird. Ich hatte also eine Handvoll hausgemachter Bandnudeln mit 5 gehälfteten Kirschtomaten und Ziegenkäsebröseln für 12 Euro. Dafür hätten sie die Nudeln wenigstens zum Muster stricken können. Gesa entschied sich für den 10-Euro-Kuchen, den es als Dessert gab – in der irrigen Annahme, davon müsse sie dann wohl pappsatt werden. Leider waren es nur zwei Scheibchen mäßig schmeckenden Gebäcks auf einer zerdrückten Pflaume (Gesas Worte).

Später gab es noch ein Catering. Ach, da tat mir der Veranstalter Leid! Das kostet ja alles Geld. Lachsscheiben aus dem Supermarkt auf glibschigen, essiggeschwenkten Linsen. Vermutlich Beluga-Linsen, klingt ja besser. Schweinefleischfrikadellen, versalzen. Schweinefleisch-Saté-Spießchen auf Glasnudeln. Und zum Schluss einen gänzlich geschmacklosen Schokokuchen (wir reden von einem briefmarkengroßen Stück) mit einem aromatischen Obstfurz obendrauf. Es sah aus wie ein Obstfurz, nur fand Gesa, ich müsse das nicht auch noch sagen. Tu ich aber. Das Essen war schlecht und wurde auch nicht besser, indem es Kellner durch die Gegend tänzelten und in kleinen Schälchen reichten.

Warum geht nur niemand Ambitioniertes in diese Sahnelage? Warum teilen sie den Laden nicht auf, in oben und unten? Warum machen sie nicht etwas wirklich Gutes hinein – oder einen stilvollen Massenbetrieb, ein echtes Kaffeehaus? Was soll dieser armselige Kram? So traurig. Man muss sich veräppelt fühlen. Und der auf der Website angepriesene Patissier ist wohl schon länger krank. Kleiner Tipp: Lasst euch doch mal im Due Baristi das Rezept für den traumhaften Schokokuchen verraten. Der reißt was!

Ach, der Keks. Vorne in der Auslage lagen Kekse. Bezahlkekse. Es könnte sein, dass einer zum Schluss versehentlich in meinen Mund sprang. Könnte. Es hätte ihn nicht gerettet. Er war alt. Und ich schmecke ranzige Butter, wenn ich sie im Mund habe. Auch in Gebäck. 10 kleine Kekse waren gestern Nacht noch da, als ich ging. Rettet sie. Bitte.

05. September 2014 von Britta Freith
Kategorien: Buchtipp, Meinung, Stilkritik | 9 Kommentare

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