Snapchat: Weil ich’s mag!


Das erste Mal hörte ich von Snapchat kurz nach dem Start, also vor gut 4 Jahren. Ich habe die Idee sofort geliebt: Man macht ein Foto und verschickt es an einen ausgewählten Kreis von Menschen. Nachdem sie es angeguckt haben, ist es weg. WEG! Das ist herrlich. Das ist über Distanz wie das wirkliche Leben. Ich sehe etwas, freue mich, ärgere mich – und dann ist es wieder weg. Eine Übertragung des Alltags, des Moments, der trotz des digitalen Mittels Moment bleibt, weil er nicht wiederholbar ist.

Was für eine Erleichterung! Niemand zieht Jahre später ein Foto hervor und zeigt mir, wie schlecht meine Haare saßen oder dass ich damals einen Fleck auf dem Hemd hatte. Denn er kann sich auch nur an den Moment erinnern, wenn er ihm wichtig genug war. Sonst ist er auch aus seinem Kopf verschwunden.

Snapchat-9062928220777245596

Damals bin ich nicht zu Snapchat gegangen, weil sowieso niemand da war, den ich kannte. Da man bei Snapchat nur von Leuten gefunden wird, die einen kennen, wusste ich nicht, was ich da sollte. Bis heute nervt es mich übrigens, dass Snapchat keine offene Such- und Kontaktfunktion hat. Es läuft über Empfehlungen, Fragen, Suchen, Werben in anderen Netzwerken. Einen Kommentar direkt zu einem bestimmten Snap kann man nur schicken, wenn der andere einem zurückfolgt. Sonst bleibt nur die allgemeine Nachricht. Das gefällt mir nicht.

Vieles andere aber gefällt mir. Snapchat bietet neben den Fotos die (für mich viel wichtigeren) Videos von bis zu 18 Sekunden Länge. Es besteht die Möglichkeit, Bildchen, Schriften und Selbstgekritzeltes einzublenden, Musik unterzulegen oder Filter drüber. Wobei Gesichtsfilter mit Fuchsohren, Blumenkronen oder Totenschädeln mich schnell anöden. Ich bevorzuge Geschichten, Storys, wenn die Leute etwas erzählen. Gesichtsfilter haben allerdings einen Vorteil nach langen Nächten, ich gebe es zu.

Snapchat ist idealerweise schnell. (Tipp: Man kann einstellen, wie lange ein Foto steht! Wenn nichts passiert, reichen 3 Sekunden statt 10.) Fotos und Filme können so sehr rasant und witzig zusammengeschnitten werden. Das passiert aber alles nicht editierbar. Es ist also nicht möglich, hinterher den Film zu schneiden oder ein fertiges Bild hochzustellen. Dazu müsste man abfotografieren und abfilmen. Snapchatfremde Ergänzungen, die das ermöglichen, werden in der Regel nicht zugelassen bzw. der eigene Account wird gesperrt.

Wenn ich also Musik drunterlege, muss ich sie bei der Aufnahme laufen lassen. Entweder arbeite ich dann ganz präzise (Zeitfaktor!) oder es ist ein bisschen schreddelig. Alles ist ein bisschen schreddelig, außer man hat schon lange Erfahrung. Ich übe noch, aber es bringt mir riesigen Spaß. Bei Juli vom Heimatpott oder bei Richard Gutjahr (richardgutjahr) kann man sehen, wie es überlegter geht. Andere gefallen mir gerade deswegen, weil sie nicht so viel überlegen. Anna Aridzanjan (textautomat) berichtet gerade einfach so aus Armenien, und das ist spannend, weil ich Dinge sehe, die ich sonst nie sehen würde. Thomas Schwenke (thschwenke) hat Pombel den Pinguin dabei und erklärt Jura. Informativ und schreddelig zugleich, guck ich richtig gern.

Deswegen können die sogenannten Livekanäle auch sehr spannend sein. Ich war auf einem Quidditchturnier in der USA und auf dem Mount Everest – alles gesnappt. Ist natürlich zeitaufwändig, sich das anzugucken. Es gibt keine Übersicht, keine Teaser, man weiß nicht, was kommt. Vorteil: Man kann weiterklicken, wenn einen etwas nicht interessiert. Auch in den persönlichen Accounts. Das mache ich auch.

Die Zeit… Ja, Snapchat kostet Zeit. Besonders, wenn man Snaps mehrfach anfängt, damit sie perfekt werden. Man muss auch damit rechnen, das Leute einen doof anstarren, weil man mit dem Handy am ausgestreckten Arm quasselnd durch die Gegend rennt. Freunde finden es nicht ungebremst toll, wenn man während Treffen damit beschäftigt ist. Man kann es ja aber auch zusammen machen 🙂 Ist in meiner Altersklasse häufig schwierig, weil die meisten Menschen in den 40ern eben nicht snapchatten. Hilft nur Überzeugungsarbeit.

Bildschirmfoto 2016-06-09 um 11.12.04

Anzeige von Geotags (zum Ort passende Bilder) oder z.B. Temperatur oder Geschwindigkeit durch Wischen des Bildschirms.

 

In anderen Ländern hat Snapchat einen deutlichen Vorsprung, und im Urlaub in Irland habe ich herausbekommen, woran das liegt: Es gibt dort überall freies WLan! Neben mir am Tisch snapchatteten Leute unverblümt. Das war toll. Denn neben Zeit frisst Snapchat Akku und MB in sehr großen Stücken. Da ist es schon fein, wenn man nicht übers Datenvolumen rein muss.

Wie Snapchat aussieht? Für die, die es noch nicht haben, hier ein Beispiel aus dem Garten. Nicht nachbearbeitet, nur auf 50 MB geschrumpft. Durch das Herunterladen sind allerdings Ton und Bild nicht mehr ganz synchron. Keine Ahnung, woran das liegt.

Wie, das kann man doch speichern? Ja, kann man. Außer Zuckerwatte und das Leben kann man so gut wie alles speichern.  Aber das war klar, oder?


Dieser Film setzt sich aus 25 Snaps zusammen.

 

09. Juni 2016 von Britta Freith
Kategorien: Arbeitsalltag, Garten, Lernen, Medien, Podcast | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Sehr hübsch! Hab’s mir sehr gerne angesehen … Meine Fragen wären: Wie speicherst du das denn dann ab und wieso? Wo siehst du den Unterschied zu einem YouTube-Kanal? Nutzt du es mehr so „just for fun“ oder ist auch der Einsatz im Job geplant?

    • Du bekommst in der Übersicht unter „Meine Story“ die Downloadmöglichkeit angeboten. Wenn du sie nicht siehst, auf die drei Punkte rechts klicken. Dann wird aufgelistet, wer deine Snaps gesehen hat (wieviele Viewer siehst du dort und wenn du auf den jeweiligen Snap klickst, siehst du auch, wer es war.)

      Youtube steht ja dauerhaft. Es gibt öffentlich einsehbare Kommentare und Möglichkeiten, zu teilen. Völlig anders als Snapchat. Snapchat ist ein kurzer Augenblick.

      Ich mache alles Wählbare aus Spaß, weil ich es sonst nicht machen kann. Klar, ab irgendeinem Punkt kommt die Pflicht dazu, Ja, ich kann mir vorstellen, auch für ein Unternehmen zu snapchatten. Aber nur, wenn es zu mir passt.

      Snapchat befriedigt meine kreative Reporterinnenseele sehr. Da kommt der Lehrberuf durch.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert