24 Stunden sollte Wichtiges auch wichtig sein
Am Sonntag sind in München zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Hetze zu protestieren. #ausgehetzt Die Bild und der Focus erwähnten das zu diesem Zeitpunkt und auch heute mit keinem Wort in den Aufmachern, während der Begriff auf Twitter trendete, und sowohl SPIEGEL ONLINE als auch die Süddeutsche Zeitung darüber an erster Stelle berichteten.

Später am Tag gab #Özil bekannt, dass er nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen will, weil ihm die Unterstützung gegen Rassismus im DFB fehle. Die Bild titelt heute “Jammer-Rücktritt” und “wirre Abrechnung”, während der Focus von “großer Inszenierung” redet. Von der Ausgehetzt-Demo: kein Wort. Besser kann man rechte und rassistische Gesinnung gar nicht fördern.
Aber auch der Spiegel hat die Demo nicht mehr auf der Startseite, bei der Süddeutschen verbirgt sie sich hinter “Die CSU hat Angst”. Zehntausende Menschen und ihr wichtiges Statement interessieren die Medien nicht mehr.

Dabei lesen viele erst heute, was passiert ist, weil sie gestern im Schwimmbad, am Grill, im Garten waren, einfach mal frei hatten. Wie das am Sonntag so ist. Auch sie sollten lesen können, dass dieser Sonntag mit der Münchner Demo für mehr Anstand etwas so Gutes mit sich brachte.
Selbst wenn die Daueronliner das Gefühl haben, sie müssten alle 3 Stunden etwas Neues bringen und der Münchner Auftritt fürs Gute sei schon wieder alt und egal: Er sollte es in der Berichterstattung noch nicht sein. Er verdient mindestens 24 Stunden und sogar einen Nachklapp. Er gehört auf die erste Seite, mit einer deutlichen Schlagzeile.
(Fotos: Michael Treske (1 u 2))
