Zeitmanagement in Hamburgs Untergrund
Heute Morgen in der U-Bahn: Mir gegenüber macht sich umständlich eine abgehetzte Mittvierzigerin breit, sortiert Hinterherzieh-Tasche, Handtasche, Mappe. Ihre Sitznachbarin rückt vorsichtshalber ans Fenster: Die Taschendame macht sich sehr breit.
Die Taschendame beginnt zu wählen, hektisch und aufgeregt, während sie vor sich hinmurmelt. Ich überlege ihr anzubieten, sie anzurufen – vielleicht findet sie ihr Handy nicht? Aber nein: Grunzend zieht sie eine Plastikhülle mit typischen Markern hervor: Eine Seminarleiterin! Manche Berufe erkennt man sofort.
Die Taschendamenseminarleiterin kramt ihre Unterlagen heraus. Die Hülle fällt herunter, die Papiere auseinander. Aber die Taschendamenseminarleiterin ist nicht zu bedauern, sie hat die Sache im Griff. Breitbeinig – es kommt niemand mehr vorbei, was soll’s – sichert sie alles ab, verteilt die Unterlagen auf Mappe und Oberschenkeln. Zum Glück ist sie eine recht große Frau, so hat sie viel Platz.
Ah, noch nicht fertig mit der Seminarvorbereitung! Nun wird’s aber wohl eilig – das ganze Equipment sieht danach aus, als sei der Seminarstart um maximal zehn Uhr. Jetzt ist es zehn vor neun. Und sie ist noch nicht fertig mit dem Sortieren und Markieren. Ich recke mich ein wenig, um mal die Thematik zu sehen und falle fast von der Bank: Zeitmanagement! Die Frau gibt Seminare im Zeitmanagement!
Ich merke mir: Es gibt immer gute Gründe, auf die Außenwirkung zu achten!