Warum Wulff es macht – eine Vermutung

Ich freue mich nicht über die Wahl Wulffs, nein. Ich wollte Gauck. Gestern meinte jemand zu mir, im Grunde hätte Wulff die Wahl nicht annehmen sollen, wenn das Ergebnis so jämmerlich sei. Das jedoch sehe ich anders.

In dem Moment, in dem Wulff sich zur Wahl stellte, wusste er, dass es knapp werden könnte. Er kennt sich hinreichend in der Politik aus um zu ahnen, dass es nicht unbedingt ein Sieg mit Glanz und Gloria werden würde. Dennoch hat er sich bereiterklärt, das Präsidentenamt anzunehmen. Das Warum scheint mir ganz klar:

Bereits länger vor der Bundespräsidentenmalaise hat Wulff bekundet, dass er keinen großen Drang mehr hat, in der Politik zu bleiben. Bundeskanzler wolle er nicht werden, erklärte er – dabei ist er ja lange als eine der Nachwuchshoffnungen der CDU gehandelt worden. Aber hier haben wir wohl einen weiteren Politiker, der entdeckt hat, dass Work-Life-Balance immer noch ganz groß im Sein ist. Und ein möglicher Nachfolger in Niedersachsen stand auch schon in den Startlöchern, bevor die Sache mit der Präsidentschaft losging.
Ich glaube, Wulff macht jetzt noch mal eine 5-Jahres-Runde, ganz ohne den parteiinternen Querelen ausgesetzt zu sein oder auf Wählerstimmen gucken zu müssen. Wenn er es gut hinkriegt, hält er die ein oder andere bemerkenswerte Rede und gehört in die Riege der Bundespräsidenten, an die man sich gern erinnert. Und immer dran denken: Man kann auch als der erinnert werden, der singt, wandert oder hinschmeißt. Den Platz im Geschichtsbuch bekommt man trotzdem.

Wie auch immer: Nach 5 Jahren macht Wulff Schluss, bekommt bis zum Lebensende seinen “Ehrensold” von z.Zt. 277.000 Euro und kann sich dann immer noch überlegen, ob er in der freien Wirtschaft noch ein paar Euro dazuverdient oder doch mehr Life als Work macht.

Fände ich als Zukunftsoption auch gar nicht so schlecht.